Karriere
 
Eine Karriere als Übersetzer und Dolmetscher im deutschsprachigen Raum – lohnt sich das?
    Das Ausbildungsangebot ist im Vergleich zu übersetzerischen Entwicklungsländern wie den USA außerordentlich vielfältig. Privatschulen, Berufsakademien, Fachhochschulen und Universitäten bieten gut zwei Dutzend verschiedene Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten an. 
    Die Sprachmittlerausbildung hat in Mitteleuropa eine lange Tradition. Schon 1754 gründete Maria Theresia die „Kaiserlich-königliche Akademie der Orientalischen Sprachen“ in Wien, um Dolmetscher für den Handel und die Diplomatie auszubilden. 1887 richtete Bismarck am Orientalischen Seminar der Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin einen Studiengang für „Dragomane“ (Dolmetscher) ein, die für den diplomatischen Dienst benötigt wurden.
    Ebenfalls in deutschen Landen liegt die mit Abstand größte Ausbildungseinrichtung der Welt: Am FASK der Uni Mainz in Germersheim sind 2.200 Studenten eingeschrieben.
    Und noch ein Superlativ: Deutschland ist der größte Übersetzungsmarkt der Welt. Hier werden pro Jahr 30 Mio. Seiten übersetzt (1992). In der EU sind es 100 Mio., weltweit 200 Mio. Seiten (1987). Zwischen 1980 und 1994 erzielten die 4.650 deutschen Übersetzungsbüros (1994) durchschnittlich ein Umsatzwachstum von 11 Prozent pro Jahr. Auch die Honorare können sich sehen lassen. In Italien und Spanien wird oft nicht einmal die Hälfte gezahlt. Die Kunden begleichen ihre Rechnungen schnell, nämlich im Durchschnitt nach 40 Tagen. In Belgien muss man 60, in Italien 90 und in Japan 180 Tage auf sein Geld warten.
    So gesehen sind Deutschland, Österreich und die Schweiz im internationalen Vergleich immer noch ein Paradies für Übersetzer und Dolmetscher – trotz der zur Jahrtausendwende einsetzenden Wirtschaftskrise, durch die sich das seit Jahrzehnten anhaltende Wachstum merklich verlangsamt hat.