2006-03-13
Vom Sprachen-Lernbrief zum elektronischen Wörterbuch: Langenscheidt wird 150 Jahre
1856 gründete Gustav Langenscheidt in Berlin die Langenscheidtsche Verlagsbuchhandlung, die heute als Langenscheidt KG firmiert. Gemeinsam mit seinem Französischlehrer Charles Toussaint entwickelte er den „Brieflichen Sprach- und Sprechunterricht, für das Selbststudium der französischen Sprache“, der insgesamt für 14 Sprachen erschien. Mit diesem Kurs legte der 24-jährige Selfmademan den Grundstein des Unternehmens. 1961 gründete die Langenscheidt KG in München den zweiten Verlagssitz. Heute beschäftigt die Verlagsgruppe rund 1.400 Mitarbeiter in elf Ländern auf drei Kontinenten.
    Gustav Langenscheidt (1832–1895) war alles andere als der gelernte klassische Verleger. Er stammte aus einer seit dem 17. Jahrhundert in Berlin ansässigen Handwerkerfamilie und wurde mit Gründung seines eigenen Verlages zur ersten Verlegerpersönlichkeit des Traditionsunternehmens. Heute steht sein Ururenkel Andreas Langenscheidt (54) an der Spitze der international tätigen Unternehmensgruppe. Gemeinsam ist allen Langenscheidts das Geschick, die sprichwörtliche preußische Disziplin mit Pioniergeist, Verantwortungsbewusstsein und Visionen zu verknüpfen.
    Dadurch ist es gelungen, die Innovationskraft der Verlagsgruppe über 150 Jahre hinweg zu erhalten. So erschloss sich Langenscheidt im Lauf der Jahrzehnte nicht nur den Unternehmensbereich Reise und Kartografie (Polyglott, APA/Insight Guides, Berlitz Publishing), sonden auch den bedeutenden Sektor Wissen und Deutsche Sprache (Bibliographisches Institut, F.A. Brockhaus, Dudenverlag, Meyers Lexikonverlag, Harenberg Kalender- und Jahrbuchverlag). Mit zeitgemäßen, topaktuellen und immer wieder neue Maßstäbe setzenden Produkten stellt Langenscheidt seine Marktnähe und Verbundenheit zu seinen Zielgruppen stets aufs Neue unter Beweis.
    Zu den Meilensteinen der Verlagsgeschichte – gleichzeitig ein frühes Beispiel konsequenter Markenpolitik – gehört das bis heute lieferbare Enzyklopädische Großwörterbuch Französisch (Sachs-Villatte), das erstmals 1880 erschien. Ihm wurde 1901 mit dem Großwörterbuch Englisch (Muret-Sanders) ein nicht minder erfolgreiches Pendant an die Seite gestellt. Schon 1905, nur vier Jahre später, experimentierte Langenscheidt im Bereich der Neuen Medien: Das Ergebnis war die erste Grammofonplatte für den Sprach-Selbstlern-Unterricht. Die schwarze Scheibe erleichterte das Erlernen der englischen Sprache und ergänzte das Verlagsprogramm sozusagen erstmals um einen „Non-Book“-Artikel.
    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann Langenscheidt konsequent in Reihen zu denken: 1903 wurden die „Taschenwörterbücher“ begründet, bis heute eine der tragenden Säulen des Wörterbuchgeschäfts. Ab 1912 erschien die erfolgreiche Reihe der Metula-Sprachführer für 34 Sprachen. 1924 kamen „Langenscheidts Handbücher der Handelskorrespondenz“ hinzu, 1930 „Langenscheidts Universal-Wörterbücher“ und 1932 erschien das erste Lehrbuch für den Schulunterricht.
    Im Zweiten Weltkrieg wurde das Berliner Verlagsgebäude zerstört und mit ihm der größte Teil der Redaktionsunterlagen sowie der Druckplatten. Karl Ernst Tielebier-Langenscheidt (85), der heutige Seniorverleger, leitete den Wiederaufbau des Unternehmens, entwickelte es zu einem modernen Verlag für Nachschlagewerke und begann schließlich mit der Internationalisierung. Sein Sohn Andreas Langenscheidt, seit 1981 im Unternehmen, setzte diese Strategie fort und baute Langenscheidt durch zahlreiche Zukäufe und eigenes Wachstum zu einer großen internationalen Verlagsgruppe aus. Weltweite Anerkennung sicherte sich das Traditionshaus 1983 mit dem „alpha 8 Englisch“, das als erstes elektronisches Wörterbuch der Welt Mediengeschichte schrieb.
    2006 feiert Langenscheidt sein 150-jähriges Verlagsjubiläum: Der Buchhandel, nach wie vor wichtigster Vertriebspartner des Hauses, wird seine Kunden jeden Monat mit einem speziellen Langenscheidt-Jubiläums-Produkt überraschen. Im Mittelpunkt der Marketingkampagne stehen, wie könnte es anders sein, Wörterbücher. Damit betont der Verlag, dessen blaues „L“ auf gelbem Grund seit Jahrzehnten als Symbol für die Marktführerschaft bei zweisprachigen
Wörterbüchern steht, nicht nur seine Kompetenz, sondern folgt auch seinem Motto „… weil Sprachen verbinden“.
    Bereits im Januar kam der erste Topseller zum Jubiläumspreis auf den Markt, begleitet von einer bundesweiten City-Light-Kampagne. Pünktlich zur Nürnberger Spielwarenmesse im Februar wurden in Kooperation mit dem Spielwaren-Hersteller sigikid, der 2006 ebenfalls 150-jähriges Jubiläum feiert, Merchandising-Produkte aus dem Langenscheidt-Kinderbuchprogramm angeboten – die sympathischen Hexen Huckla und Witchy als Stoffpuppen. Außerdem wurde mit der Hochschule für Fernsehen und Film München ein Wettbewerb zum Thema „… weil Sprachen verbinden“ durchgeführt: Die Studierenden waren eingeladen, einen Kurzfilm von bis zu 5 Minuten Länge zu entwickeln. Eine Jury wählte die drei besten Konzepte aus, die mit Unterstützung von Langenscheidt realisiert werden sollen. Darüber hinaus stehen viele weitere Kooperationen, Projekte und Aktionen im Jubiläumskalender, dessen Höhepunkt der Oktober 2006 sein wird, da Gustav Langenscheidt den Verlag im Oktober 1856, vor dann genau 150 Jahren, gegründet hatte.

[Text: Bernhard Kellner. Quelle: Medienmitteilung Langenscheidt. Bild: Langenscheidt.] www.uebersetzerportal.de

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