2006-12-15
Österreich: Interlingua als erster Sprachendienstleister nach ÖNORM EN 15038 zertifiziert

ÖNORM EN 15038, Interlingua
Als erster Übersetzungsdienstleister in Österreich wurde die Interlingua Language Services GmbH nach der neuen ÖNORM EN 15038 zertifiziert. In der Bildmitte: Dr. Peter Jonas, leitender Auditor und Komitee-Manager im Österreichischen Normungsinstitut, umgeben von den Interlingua-Mitarbeitern Mag. Leila Herbst-Bullock, Martin Marecsek, Mag. Sabine Kern (geschäftsführende Gesellschafterin), Mag. Trisha Kovacic-Young, Mgr. Lucie Sillner und Andrea Abraham (v.l.n.r.).

Haben Sie einen sauteuren Designer-Wasserkessel? Haben Sie die Bedienungsanleitung verstanden? Oder hatte sie nur hohen Unterhaltungswert? Wenn jedoch der Anästhesist die Anleitung für das neue Beatmungsgerät nicht versteht, kann das böse enden. Die Europäische Norm ÖNORM EN 15038 schreibt Qualitätskriterien für Übersetzungen fest – nach österreichischem Vorbild.
     Übersetzer sind in einer schwierigen Lage. Ihr Image ist nicht hoch. Sie werden gemeinhin als Hilfsarbeiter gesehen. Hilfsarbeiter auf Akademikerniveau. Denn das Studium ist harte Knochenarbeit: Es qualifiziert in Sprache und Kultur. Dazu ist ein guter Übersetzer Rechtsexperte des Landes, Wirtschaftsexperte und mehr. Wegen dieses Zwiespalts wurde im Jahr 2000 die ÖNORM D 1200 geschaffen. Sie war zugleich eine „Pionierarbeit“ und ein Beitrag zum „Kampf um Anerkennung“, sagt Dipl.-Ing. Dr. Peter Jonas, Komitee-Manager im Österreichischen Normungsinstitut.

Viel von österreichischer Norm in Europanorm eingearbeitet
Übersetzer sind gefragter denn je. Mit der EU und ihrer Erweiterung arbeitet die Zunft an zentraler Stelle. 1 324 213 Seiten übertrug die Generaldirektion Übersetzung für die Europäische Kommission allein im vorigen Jahr. 20 Sprachen sind derzeit als Amtssprachen anerkannt. Darunter Estnisch genauso wie Maltesisch. Aus dieser Zentralstellung entwickelte sich ein Bedarf an Qualitätssicherung. Unter spanischer Führung wurde die (Europäische) ÖNORM EN 15038 erarbeitet, die seit 1. August in Österreich gilt. Was normt sie? Die Anforderungen an die Dienstleistung Übersetzung. „Es wurde viel von der österreichischen Norm eingearbeitet“, so Peter Jonas, der als Delegierter mit dabei war.

Schwächen der alten ÖNORM D 1200 ausgebügelt
Schwächen der alten ÖNORM D 1200 wurden ausgebessert. Die österreichische Norm war so kompliziert und aufwändig, dass der Markt sie nicht richtig angenommen hat. Drei Schwächen macht Jonas dafür verantwortlich: Für die sprachenunabhängige Norm vergab man ein sprachenabhängiges Zertifikat. Für jedes Sprachenpaar musste ein eigener Fachauditor anwesend sein. Die Überprüfung der sprachlichen Kompetenz war ein zentraler Punkt. „Das war nicht ganz der richtige Weg“, resümiert Jonas. Diese Schwachstellen wurden verbessert und ein neuer Ansatz erarbeitet. „Die Europäische Norm EN 15038 setzt auf ein Qualitätsmanagementsystem, ähnlich der ISO 9000“, zieht Jonas einen Vergleich.

Vier-Augen-Prinzip heikler Punkt für Ein-Frau-Unternehmen
Das Übersetzen braucht eine klare Struktur in Prozessen und Abläufen. Denn die Tätigkeit besteht nicht nur darin, ein Papier in einer anderen Sprache abzuschreiben. Zuerst wird vorbereitet, der Übersetzer ausgewählt, dann übersetzt, korrigiert und letztendlich freigegeben. Für Übersetzungen sind Statusblätter zu führen und technische Voraussetzungen sowie sprachliche Stilrichtlinien einzuhalten. Ein umfassendes Konzept, bei dem Einzelübersetzer nicht aussteigen sollten. „Ein heikler Punkt könnte das Vier-Augen-Prinzip sein“, so Jonas. Es bedeutet: jeder Text muss von einem anderen Korrektur gelesen werden. Was macht da ein Ein-Mann-Unternehmer? „Einzelübersetzer können das Problem lösen, indem sie Kooperationspartner finden“, schlägt Jonas vor.

Neue Norm schlanker und einfacher
Die Europäische Norm ist schlanker und einfacher als die bisherige österreichische Variante, ihre Relevanz ist höher, ihre Akzeptanz, so hofft Jonas, auch. Für die Zukunft wäre es laut Jonas erstrebenswert, eine europäische Zertifizierungsmarke zu schaffen, um der Vielfalt der Zeichen Einhalt zu gebieten. Derzeit ist jedoch vorrangig, die neue ÖNORM EN 15038 unter die Leute zu bringen. Damit Qualität für Übersetzer selbstverständlich wird.

Der Text der ÖNORM EN 15038 „Übersetzungs-Dienstleistungen – Dienstleistungsanforderungen“ ist für 46,20 Euro im Webshop des Österreichischen Normungsinstituts erhältlich. Interlingua präsentiert sich im Web unter www.interlingua.at. Auch das Zertifikat wird dort abgebildet.

[Text: Österreichisches Normungsinstitut, 2006-12-14; leicht überarbeitet von Richard Schneider. Bild: Archiv, Österreichisches Normungsinstitut.] www.uebersetzerportal.de
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