2001-11-23
Kriminalität: Nepper, Schlepper, Dolmetscherfänger
Zwei aktuelle Presseberichte aus Baden-Württemberg und Österreich zeigen, dass es immer noch Menschen gibt, die auf den „Dolmetscher-Trick“ hereinfallen.
    Das Stuttgarter Landgericht hat gerade einen 39-jährigen Kroaten wegen neunfachen schweren Diebstahls für drei Jahre und neun Monate hinter Gitter geschickt. Der Mann hatte sich mit Hilfe eines Komplizen in verschiedenen Hotels an Menschen herangemacht, von denen er annahm, dass sie einigermaßen vermögend sind und auch Kroatisch sprechen. 
    Die Opfer wurden gebeten, als Dolmetscher bei einer geschäftlichen Unterredung zu helfen. Als Honorar wurden mehrere Hundert Mark versprochen. Der Böblinger Bote beschreibt das weitere Geschehen wie folgt:
Unter dem Vorwand, dass der eine Mann keine Ahnung habe, wie deutsches Geld aussieht, bat man den Dolmetscher, ein Bündel Geld zur Ansicht zu besorgen. Das hilfsbereite Opfer ging zur Bank und holte 2.500 Mark. Das Geld wurde begutachtet und in einen Umschlag gelegt. Der Umschlag wanderte in einen Aktenkoffer, den man dem Opfer überließ, während die beiden angeblichen Goldhändler kurz den Raum verließen. Als der Geschädigte dann mit dem Umschlag wieder zu seiner Bank ging und einzahlen wollte, erlebte er die Überraschung: In dem Kuvert waren nur noch Papierschnipsel. Fingerfertig hatte einer der zwei Männer den Umschlag vertauscht. 
Noch flüchtig sind zwei Ganoven, die in den letzten Wochen mit demselben Trick Österreich unsicher gemacht haben.
    „Die beiden arbeiten immer mit derselben Masche", erklärt der Villacher Kripo-Chef Markus Plazer. „Sie sprechen ihre Opfer an und ersuchen diese, ihnen bei der Abwicklung von Verkehrsunfällen oder Einkäufen als Dolmetscher zu helfen."
    In Villach hatten die beiden einen Rentner aus dem ehemaligen Jugoslawien gebeten, bei einem Computerkauf behilflich zu sein. Die „Kleine Zeitung“ (Kärnten) schreibt:
Die Männer versprachen ihm dafür 40.000 Schilling, der Pensionist meinte aber, dass dies zu viel sei. Daraufhin boten ihm die beiden 1.000 DM an, meinten aber, sie würden zu Vergleichszwecken eine andere 1.000-DM-Note benötigen. Alle drei gingen zu einer Bekannten (69) des Pensionisten, die nach einem Verkauf gerade 13.000 DM daheim hatte. Die Villacherin zeigte ihre DM-Scheine. Nach dem „DM-Vergleich“ steckten die Männer das Geld in ein Kuvert und gaben es der Frau. Erst später bemerkte die Pensionistin, dass es leer war.
[Richard Schneider. Quelle: Böblinger Bote; Kleine Zeitung, Ausgabe Kärnten.]