2001-12-21
Bin-Laden-Übersetzung manipuliert?
Das vom WDR produzierte politische Fernsehmagazin „Monitor" hat Übersetzungsfehler in dem Video nachgewiesen, das Osama Bin Laden im Gespräch mit Gefolgsleuten zeigt. 
    Die unter der Leitung des renommierten Journalisten Dr. Klaus Bednarz stehende Sendung hatte sich vom amerikanischen Außenministerium die arabische Version des Videobandes besorgt und diese von unabhängigen Übersetzern und Arabisten analysieren lassen. 
   Das Ergebnis laut Bednarz: „Die von der US-Regierung der Weltöffentlichkeit präsentierte englische Übersetzung ist nicht nur teilweise manipuliert, sondern enthält sogar Fehler."
    Der Arabist Dr. Abdel El M. Husseini erklärt: „Ich habe die Übersetzung des Pentagons sorgfältig überprüft. Diese Übersetzung ist sehr problematisch. Sie ist an den wichtigsten Stellen, die die Täterschaft Bin Ladens beweisen sollten, nicht identisch mit dem arabischen Ton."
    Beispiel 1: Laut amerikanischer Übersetzung sagt Bin Laden: „Wir haben die Zahl der Toten des Feindes im Voraus kalkuliert."
    Dr. Murad Alami, Diplom-Übersetzer: „,Im Voraus' steht nicht drin. Es ist falsch, wenn man von der Originalfassung des Arabischen ausgeht. Und es gibt keine Missverständnisse, dass man das im Grunde nicht verstehen kann."
    Beispiel 2: Laut amerikanischer Übersetzung sagt Bin Laden: „Wir hatten eine Nachricht am vorhergehenden Donnerstag erhalten, dass das Ereignis an diesem Tag stattfinden würde."
    Dr. Murad Alami: „,Vorhergehend' existiert nicht. Der Nachsatz, dass dieses Ereignis an dem Tag beziehungsweise an diesem Tag stattfinden würde, ist in dieser arabischen Originalfassung nicht herauszuhören."
    Beispiel 3: Laut amerikanischer Übersetzung sagt Bin Laden: „Wir forderten jeden von ihnen auf, nach Amerika zu gehen."
    Dr. Murad Alami: „Diese Übersetzung mit ,wir' ist falsch. ,Es wurde von ihnen verlangt', heißt es in der arabischen Originalfassung, die ich gehört habe. Was danach kommt, an Satz beziehungsweise Nachsatz, ist unverständlich."
    Prof. Gernot Rotter, Islamwissenschaftler und Arabist am Asien-Afrika-Institut der Uni Hamburg meint: „Die amerikanischen Übersetzer, die die Bänder abgehört haben und transkribiert haben, haben offensichtlich an vielen Stellen Dinge hineingeschrieben, die sie hören wollten, die aber so – auch nach mehrmaligem Anhören – nicht zu hören sind."
[Richard Schneider. Quelle: Monitor. Bild: Monitor.] www.uebersetzerportal.de

  Prof. Gernot Rotter, 
  Islamwissenschaftler 
  und Arabist am Asien-
  Afrika-Institut der 
  Universität Hamburg

  Diplom-Übersetzer 
  Dr. Murad Alami

  Arabist Dr. Abdel El M. 
  Husseini