2002-01-14 
„Mobi-lingual“, das Handy-gestützte Dolmetschsystem
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2002 wird gemeinsam von Japan und Südkorea ausgerichtet. Um Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Veranstaltern auszuräumen, haben die Unternehmen Hitachi (Japan) und Samsung (Südkorea) ein maschinelles Dolmetschsystem entwickelt, das telefonisch in Anspruch genommen werden kann.
    Falls die zurzeit laufende Erprobung von „Mobi-lingual“ erfolgreich verläuft, sollen neben Japanisch und Koreanisch noch weitere Sprachen eingebunden werden.
    Ein Beispiel für die Funktionsweise: Ein Japaner ruft die gebührenpflichtige Nummer des Dolmetschdienstes an. Er hat dann die Möglichkeit, einen Satz in seiner Muttersprache durchzugeben. Das System versucht, das Gesprochene zu erkennen und aus rund 1.500 gespeicherten Formulierungen die passende koreanische Entsprechung herauszufiltern. Ist die Suche erfolgreich, muss der Anrufer das Telefon dem koreanischen Gesprächspartner ans Ohr halten. Dieser hört auf Koreanisch, was der Japaner ihm sagen wollte.
    Die Praxistauglichkeit dieses Systems darf jedoch bezweifelt werden. Die Probleme der Spracherkennung sind immens, da das System in der Kürze der Zeit nicht auf den jeweiligen Sprecher eingestellt werden kann. Und 1.500 Standardsätze sind nicht viel.
    Mit einem schlichten Taschenbuch, das die wichtigsten Redewendungen in zwei Sprachen enthält, dürfte man sich immer noch schneller, besser und vor allem preiswerter verständigen können. 
    Und diejenigen, denen es wirklich auf eine reibungslose Kommunikation ankommt, werden wohl gleich die bereits seit langem bekannten telefonischen Dolmetschdienste in Anspruch nehmen, bei denen eine Dreierkonferenz zwischen den Gesprächspartnern und einem Dolmetscher aus Fleisch und Blut aufgebaut wird.
    Dass maschinelle Dolmetschsysteme aber inzwischen durchaus praktisch eingesetzt werden können, hat das deutsche Projekt „Verbmobil“ in den vergangenen Jahren bewiesen.
    Siehe 2001-11-30: Deutscher Zukunftspreis für Verbmobil und Wolfgang Wahlster und 2001-11-22: Verbmobil: "In Radios und Klimaanlagen der Mercedes-S-Klasse".
[Text: Richard Schneider. Quelle: sid, ZDNet. Bild: Samsung.]
  "Mobi-lingual" soll die
  Verständigung zwischen
  Japanern und Korea-
  nern bei der Fußball-
  WM erleichtern.