2002-01-22
„Gotteskrieger“ ist Unwort des Jahres
Die sprachkritische Aktion Unwort des Jahres hat am 22.01.2002 an der Universität Frankfurt am Main die von ihr gekürten Unwörter des Jahres 2001 vorgestellt. Hier die Rangfolge:
    1. Gotteskrieger. Begründung: Viele Medien hätten das Wort als Synonym für Taliban- oder Al-Kaida-Kämpfer eingesetzt. Es sei jedoch weder als Selbst- noch als Fremdbezeichnung zutreffend. Die pseudo-religiöse Bezeichnung werde vor allem in akustischen Medien oft ohne kritische Distanz gebraucht. Die Jury: „Kein Glaube an einen Gott, gleich welcher Religion, kann einen Krieg oder gar Terroranschläge rechtfertigen.“
    2. Kreuzzug als Umschreibung für militärische Vergeltung. Begründung: Es handle sich um eine „pseudo-religiöse Verbrämung von kriegerischen Maßnahmen“. Zudem wecke das Wort „eine fatale historische Erinnerung an Kriegszüge im Namen des Kreuzes, die sich gegen den gesamten Islam richteten“. US-Präsident George Bush hatte diesen Ausdruck benutzt. 
    3. Topterrorist. Begründung: Diese Bezeichnung für Osama bin Laden sei „extrem verharmlosend“ für einen mutmaßlichen Massenmörder. Die Silbe „Top“ gebe ihm eine „falsche Aura“, weil sie positiv gemeinten Bezeichnungen wie Topmanager, Topmodell oder Topsportler ähnele. 
    4. Therapeutisches Klonen. Begründung: Selbst seriöse Verfechter der Forschung an embryonalen Stammzellen hielten diesen Ausdruck für „irreführend“. Die Wortschöpfung versuche, einen negativ besetzten Begriff, das Klonen, mit einem positiven Attribut aufzuwerten.
    5. Gewinnwarnung. Begründung: Der Ausdruck sei „schlicht sachlich falsch und darum irreführend“. Er war bereits von der Düsseldorfer Börse vor einigen Wochen zum „Börsenunwort des Jahres 2001“ gewählt worden.
    Insgesamt waren bei der Jury 1.426 Zuschriften mit 727 verschiedenen Vorschlägen eingegangen. 
    Die Aktion „Unwort des Jahres“ rügt seit 1991 „Wörter oder Formulierungen aus der aktuellen öffentlichen Kommunikation, welche die Erfordernisse sachlicher Angemessenheit und humanen Miteinanders besonders deutlich verfehlen“.
    Seit 1994 wird das Unwort des Jahres nicht mehr von der Wiesbadener Gesellschaft für deutsche Sprache, die das "Wort des Jahres" kürt, ausgewählt. Wegen eines Streits um den Ausdruck "kollektiver Freizeitpark" hatte sich die Unwort-Jury damals von der Gesellschaft getrennt.
    Ständige Mitglieder der Jury sind die Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Margot Heinemann (Görlitz-Zittau), Prof. Dr. Rudolf Hoberg (Darmstadt), Dr. Nina Janich (Regensburg) und Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser (Frankfurt a.M.). Zwei weitere Jurorensitze werden jährlich neu mit „Vertretern der öffentlichen Sprachpraxis“ besetzt. In diesem Jahr waren dies TV-Moderatorin Maybrit Illner („Berlin Mitte“, ZDF) und der ehemalige ZDF-Chefredakteur Klaus Bresser
    Vorsitzender und Sprecher der Jury ist seit 1994 Horst Dieter Schlosser (64), Professor für deutsche Philologie an der Uni Frankfurt.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Pressemitteilung der Aktion "Unwort des Jahres" (www.unwortdesjahres.org), Netzeitung, T-Online, FAZ. Bild: Schlosser.]
  Prof. Unwort in Aktion:
  Horst Dieter Schlosser 
  präsentiert die Auswahl
  der Jury.