2002-02-01
Dolmetscher-Notstand in Meran
In Deutschland werden die „Entschädigungen“ für Gerichtsdolmetscher seit einigen Jahren fortlaufend gekürzt. Der Staat muss sparen. Noch schlimmere Zustände scheinen jedoch in Südtirol zu herrschen. 
    Der soeben gewählte neue Präsident der Anwaltskammer, Gunther Vinatzer (61) will entschieden gegen die Unterbesetzung der Richterschaft und den Mangel an Dolmetschern vorgehen.
    Seinen Angaben zufolge sind nur 7 von 36 Richterstellen besetzt. Vinatzer weiter: „In Meran gibt es keine Dolmetscher, weshalb alle zweisprachigen Prozesse auf ein Jahr vertagt werden. So kann's wirklich nicht weitergehen, und wir Anwälte müssen Druck in Bozen und Rom machen, damit sich endlich etwas ändert.“ 
    1993 wurde ein zentrales Übersetzerbüro für die Justiz eingerichtet, das aus 28 Sprachmittlern und einem Amtsleiter besteht. Vor Gericht dürfen offenbar nur diese 28 Sprachmittler eingesetzt werden. Sind die Kapazitäten erschöpft und steht niemand zur Verfügung, wird der Prozess verschoben.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Dolomiten.]

Italien (Südtirol rot)