2002-02-24
Dolmetscherpool im Krankenhaus: Uniklinik Frankfurt hilft sich selbst
Die Ärzte der Uniklinik im multikulturellen Frankfurt am Main (Ausländeranteil an der Wohnbevölkerung: 30,1 Prozent) sind täglich auf die Hilfe von Dolmetschern angewiesen. 
    Bei wichtigen Entscheidungen werden vereidigte Dolmetscher hinzugezogen, doch das ist organisatorisch aufwändig und teuer. Die Klinik hat erkannt, dass viele Sprachschwierigkeiten auch auf dem „kleinen Dienstweg“ überwunden werden können, denn am Klinikum selbst sind Menschen unterschiedlichster Nationalität beschäftigt. 
    1998 hat deshalb Diplom-Pflegewirtin Eva Dixit, Pflegedienstleiterin im Zentrum der Chirurgie, die Einrichtung eines internen Dolmetscher-Pools angeregt. Nachdem einige juristische Probleme geklärt waren (so wurde zum Beispiel sichergestellt, dass die Laiendolmetscher nicht für ihre Sprachmittlung haftbar gemacht werden können), gab die Klinikleitung grünes Licht.
    Angesprochen wurden alle medizinischen Mitarbeiter (Ärzte, Pflegepersonal, medizinisch-technische Assistenten) und Studenten (ab dem Physikum). Wer eine Fremdsprache als Muttersprache beherrscht, wurde gebeten, sich registrieren zu lassen. 
    Mittlerweile besteht der Pool aus mehr als 70 Laiendolmetschern, die insgesamt 40 Sprachen beherrschen. Der von Eva Dixit betreute Pool ist der Abteilung Qualitätsmanagement des Uniklinikvorstands unterstellt. 
    Über eine zentrale Rufnummer können Ärzte und Pflegebedienstete einen Dolmetscher anfordern. Für jede angefangene Stunde bekommt der Dolmetscher 10 Euro. Allerdings kann es vorkommen, dass der Mitarbeiter nicht sofort verfügbar ist, denn die eigentliche Arbeit der dolmetschenden Krankenhausmitarbeiter geht natürlich vor. 
    In Workshops sollen die Laiendolmetscher auf die Ausübung ihres Nebenjobs vorbereitet werden. Kursleiter Boris Dinjus, Pädagoge und Psychologe, erklärt, dass die Dolmetscher vor allem lernen sollen, sich rauszuhalten. Die Botschaft laute: „Ich bin wie ein Telefon.“ 
    Inzwischen haben sich auch Kollegen der Gießener Uniklinik über das System informiert. „Die Idee spricht sich herum und letztendlich sparen die Kliniken dadurch viel Zeit und Geld“, so Initiatorin Dixit. Die Dolmetscher seien ja ohnehin am Klinikum beschäftigt. Außerdem seien sie preiswerter und hinsichtlich der Fachterminologie kompetenter als von außen herangeholte Dolmetscher. 
    Sie denkt bereits an eine Ausweitung des Systems. Denn nicht nur die Krankenhäuser, sondern alle möglichen kommunale Behörden und Einrichtungen benötigen ständig Dolmetscher. Dixit: „Es wäre schön, wenn die Stadt einen Pool einrichten würde, auf den alle zurückgreifen könnten.“


Pflegedienstleiterin Eva Dixit (links) auf einer Feierstunde aus Anlass der Zertifizierung der Klinik für Urologie nach der DIN-Norm ISO 9001, an der sie entscheidend beteiligt war. In der Mitte Prof. Ditger Jonas, rechts Dr. Heike-Anette Kahla-Witzsch, Qualitätsbeauftragte der Klinik für Urologie.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Frankfurter Rundschau, KlinikAktuell. Bild: Uniklinik Frankfurt.]