2002-02-26
Dabei sein ist alles? Olympia-Dolmetscher arbeiten umsonst
1,3 Milliarden US-Dollar standen dem Organisationskomitee der Olympischen Winterspiele von Salt Lake City zur Verfügung. Verständlich, dass bei diesen knapp bemessenen Mitteln kein Geld für Dolmetscher und Übersetzer bereitgestellt werden konnte. 
    Für diese unverzichtbare Aufgabe im Dienste der Völkerverständigung musste deshalb ein Heer von Hobby-Sprachmittlern rekrutiert werden, das allerdings mit Freude und Begeisterung bei der Sache war.
    Wer dabei sein wollte, musste sich einem Sprachtest unterziehen und wurde zu einem ausführlichen Vorstellungsgespräch eingeladen. Geeignete Kandidaten wurden dann auf ein Dolmetscherseminar geschickt. Hinzu kamen mehrere Schulungen, bei denen sie mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut gemacht wurden.
    Die Eltern von Corinna Cavanaugh stammen aus Deutschland. Ihre hervorragenden Sprachkenntnisse konnte die 33-jährige Lehrerin aus Sandy als Dolmetscherin zum Einsatz bringen – vierzig Stunden pro Woche und ohne einen Cent Bezahlung.
    Der Nürnberger Jörg Kohlmann arbeitet seit 1997 bei einem Röntgengerätehersteller in Salt Lake City. Er war neben seiner normalen Berufstätigkeit zusätzlich als Übersetzer im Eisstadion tätig – unentgeltlich. Von den Spielen hat er dabei nur wenig mitbekommen.
    Sein Tagesablauf: Um 15 Uhr kam er nach der Arbeit ins Stadion. Dort übertrug er dann Informationen aller Art ins Deutsche. Um 18 Uhr begannen die Veranstaltungen. Und erst um 23 Uhr war er wieder zu Hause. „Stressig ist es schon“, meint er. „Die ganze Erfahrung, dieses einmalige Erlebnis ist mir das aber wert.“
[Text: Richard Schneider. Quelle: SF DRS, Nürnberger Zeitung, Thüringer Allgemeine. Bild: IOC.]