2002-03-02
Dolmetscher rastet aus: 900 Euro Geldstrafe
Ein 28-jähriger afghanischer Dolmetscher hatte sich im März 2001 bei einem Dolmetscheinsatz dermaßen über einen 44-jährigen Sozialarbeiter geärgert, dass er ihn als „Vollidioten, Rassisten und Faschisten“ beschimpfte. 
    Wegen Beleidigung war er deshalb vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 600 Euro verurteilt worden. Da er das Urteil nicht akzeptierte, musste letzte Woche neu verhandelt werden.
    Dabei erzählte der Sprachmittler noch einmal seine Version der Geschichte: Er habe eine Landsfrau zum Sozialamt begleitet, um für sie zu dolmetschen. Die Frau sei in einer Notlage gewesen und habe gehofft, dass ihr das Amt helfen könne. 
    Stattdessen habe der Mitarbeiter des Amts jedoch mit seinem Wissen über Afghanistan „geglänzt“. Als er, der Dolmetscher, das kritisiert habe, sei der Mann sauer geworden, habe ihm mit dem Finger gedroht und ihn lautstark des Raumes verwiesen. 
    Das habe ihn so verletzt, dass auch er laut geworden sei. Aber er habe zu ihm nur gesagt: „Ihr Verhalten ist rassistisch und faschistisch.“ Trotzig fügte er jetzt hinzu: „Und dazu stehe ich auch heute noch.“
    Der betroffene Mitarbeiter des Sozialamts schildert, der Mann sei laut geworden, als er erklärt habe, dass er der Frau nicht helfen könne. Und als er ihn dann aufgefordert habe, den Raum zu verlassen, seien die Beleidigungen gefallen. Die lautstarken Argumente des Dolmetschers hatten auch die Arbeitskollegen des Sozialarbeiters vernommen, die vor Gericht dessen Version bestätigten.
    Das jetzt neu ergangene Urteil: Der Richter erhöhte die Geldstrafe von 600 auf 900 Euro und hielt dem Dolmetscher vor: „Sie haben den Zeugen schwer beleidigt und das heute auch noch wiederholt. Es hätte Ihnen gut angestanden, Ihr Verhalten zu bedauern.“
    Wir empfehlen dem hitzköpfigen Kollegen den Besuch der Fortbildungsseminare für die Laiendolmetscher der Frankfurter Uniklinik. Deren Leiter hatte neulich noch erklärt: „Die Dolmetscher sollen vor allem lernen, sich rauszuhalten. Die Botschaft lautet: Ich bin wie ein Telefon.“
[Text: Richard Schneider. Quelle: Bonner Generalanzeiger.]