2002-03-11
Latein verliert an Boden – selbst im Vatikan 
Das Lateinische verliert offenbar nicht nur in den Schulen Europas rapide an Boden, sondern auch in dem Land, in dem es neben Italienisch immer noch Amtssprache ist: dem Vatikan.
    „Es gibt Priester, die nicht einmal mehr die lateinischen Inschriften auf den Grabsteinen in ihren eigenen Kirchen lesen können“, behauptet ein Mitarbeiter des Kirchenstaats. Und selbst dem Papst sei kürzlich auf Latein ein arger Schnitzer unterlaufen, klagt der Präsident der Vatikanstiftung Latinitas, Cleto Pavanetto
    Das Zweite Vatikanische Konzil hatte in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts grundsätzlich erlaubt, dass bei Gottesdiensten in aller Welt die jeweilige Landessprache verwendet wird. Seitdem ist Latein auf dem Rückzug.
    Als vor kurzem ein argentinischer Kardinal bei einer Versammlung seinen Redebeitrag auf Latein leisten wollte, regte sich Umnut im Auditorium. Und da selbst die Dolmetscher der Verzweiflung nahe waren, sah sich der Kardinal gezwungen, auf Spanisch fortzufahren.
    Amtliche Dokumente müssen allerdings nach wie vor auch in Latein abgefasst werden. Diese Aufgabe erledigt ein Übersetzungsdienst. Die Rolle des in früheren Jahrhunderten dominierenden Latein hat im Kirchenstaat inzwischen die zweite Amtssprache eingenommen: Italienisch.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Neue Luzerner Zeitung. Bild: PhotoCase.com.] www.uebersetzerportal.de