2002-03-12
Afghanistan: den Schlapphüten fehlen Übersetzer
Dreizehn verschiedene US-Geheimdienste von Militär, Justiz-, Energie- und Außenministerium, FBI und CIA sind inzwischen in Afghanistan und Pakistan aktiv und durchwühlen die Hinterlassenschaften der Taliban nach verwertbaren Informationen.
    Ein hoher Regierungsbeamter erklärt in der Washington Post: „Wir waren sehr überrascht von der Menge und dem Wert der Akten. Anders gesagt, sie hatten wirklich gute Aufzeichnungen.“
    Die größten Schwierigkeiten bereitet dabei aber immer noch die Sprache. Die meisten Akten, Festplatten und Tonbänder enthalten Informationen auf Paschtu oder Urdu. Arabisch, Russisch und Chinesisch sind ebenfalls vertreten.
    Vor Ort herrscht ein eklatanter Mangel an Übersetzern, Dechiffrierern und Sprachwissenschaftlern. Deshalb müssen viele Dokumente zunächst in die USA geschafft und dort entschlüsselt werden. Die Informationen gehen dann wieder zurück an die Truppen in Afghanistan. 
    Damit rächt sich die Politik der vergangenen Jahre: Während der Taliban-Herrschaft hatten die westlichen Geheimdienste offenbar keinen einzigen einheimischen Spitzel vor Ort im Einsatz. Da „menschliche Quellen“ als unzuverlässig galten, beschränkte man sich darauf, von Flugzeugen, Schiffen und Satelliten aus den Funkverkehr abzuhören. 
[Text: Richard Schneider. Quelle: netzeitung.de, 2002-03-12.]