2002-03-15
CeBIT: Lernout & Hauspie lebt! Kerngeschäftsbereiche von ScanSoft ersteigert
Eine Vielzahl von L&H-Produkten ist zurzeit auf der CeBIT in Hannover wieder präsent. Wie das?
    Wir erinnern uns: Der Weltmarktführer für Spracherkennungssoftware, Lernout & Hauspie (L&H), legte Ende 2001 eine spektakuläre Insolvenz hin. Da niemand das Unternehmen als Ganzes übernehmen wollte, wurden die Vermögenswerte am 27.11.2001 versteigert. 
    Die Kernbereiche Spracherkennung, Sprachsynthese und Automotiv/Mobility sicherte sich das amerikanische Unternehmen ScanSoft für rund 39,5 Millionen US-Dollar. 
    ScanSoft stellt Scan- und Texterkennungssoftware her. Der Hauptsitz befindet sich in Peabody, Mass., die Europazentrale in den Niederlanden. Im März 2000 hatte ScanSoft bereits Caere mit dem bekannten Texterkennungsprogramm OmniPage geschluckt.
    Die L&H-Geschäftsbereiche Übersetzungen und Inhalte-Verwaltung wurden von anderen Unternehmen ersteigert.
    Von den 2001 weltweit noch verbliebenen rund 450 L&H-Mitarbeitern hat ScanSoft 230 übernommen. Die früheren L&H-Standorte Brüssel (Produktmanagement) und Ypern (Entwicklung) werden allerdings demnächst geschlossen und alle Mitarbeiter in Gent zusammengezogen.
    Auf der CeBIT stellt ScanSoft unter anderem folgende Produktneuheiten vor: Naturally Speaking, die Diktatsoftware von Dragon, dem von L&H übernommenen größten US-Hersteller von Spracherkennungssoftware, wurde mit dem ScanSoft-Produkt VoiceXPress (sprachgesteuerte Benutzerführung) kombiniert. Seit zwei Monaten ist es unter dem Namen Dragon Naturally Speaking 6.0 auf dem Markt. Darüber hinaus wurde eine neue Version von PDSay vorgestellt. Die sprachgesteuerte Benutzeroberfläche für Taschencomputer kann zum Beispiel E-Mails vorlesen. 
    Lösungen zur Spracherkennung und Sprachsteuerung sind insbesondere in zwei Bereichen gefragt: Bei Handys, die naturgemäß keinen Platz für vernünftige Tastaturen und Bildschirme haben, und bei Autos, denn der Fahrer muss die Augen auf der Fahrbahn und die Hände am Lenkrad halten. Ein entsprechendes Produkt von ScanSoft wird zum Beispiel bereits im Citroën C5 eingesetzt. 
    „ScanSoft ist sehr produktorientiert“, erklärt Sprecherin Vanessa Richter auf der CeBIT. Es wird daher deutlich weniger Grundlagenforschung als bei L&H betrieben.
    Siehe auch: 2001-12-02: Microsoft verkauft Anteile an Lernout & Hauspie, 2001-10-25: Endgültiges Aus für Lernout & Hauspie.
Externe Links: www.scansoft.com, www.lhsl.com.
[Text: Richard Schneider. Quelle: WirtschaftsWoche, 2002-03-15; De Standaard (Dossier), 2002-03-14. Bild: ScanSoft, L&H, De Standaard.]


Jo Lernout, als er noch Visionen hatte