2002-03-17
Deutsche Welle sucht Übersetzer und Sprecher. Tägliche Fernsehsendung für Afghanistan geplant
Das Fernsehen der Deutschen Welle (DW) plant, ab Mai täglich Sendungen für die Ausstrahlung in Afghanistan zu produzieren. Nach Angaben von DW-Fernsehdirektor Christoph Lanz hat der afghanische Interimspremier Hamid Karsai vor wenigen Tagen während seines Besuchs in Berlin diese Initiative begrüßt.
    Die deutschsprachige Nachrichtensendung und ein Magazin mit Beiträgen zu Wirtschaft, Kultur und Politik sollen im so genannten Voice-over-Verfahren mit den Stimmen von Dolmetschern unterlegt werden. Dabei handelt es sich um die in Afghanistan am weitesten verbreiteten Sprachen Paschtu und Dari.
    Über Satellit werden die Produktionen zu Radio Kabul überspielt und im dortigen terrestrischen System ausgestrahlt.
    Derzeit versucht die Deutsche Welle, in Berlin geeignete Übersetzer und Sprecher zu finden. Dies dürfte nicht leicht sein, denn der Markt ist leer gefegt. In der Mitgliederdatenbank des mit rund 5.000 Mitgliedern größten deutschen Übersetzerverbandes BDÜ findet sich nur ein einziger Kollege mit Paschtu als Muttersprache. Zwei Mitglieder behaupten, Dari zu beherrschen, aber keiner der beiden ist Muttersprachler.
    Schon bei der Vorbereitung der Bonner Afghanistan-Konferenz im November 2001 war es nicht gelungen, in Deutschland geeignete Dolmetscher aufzutreiben. Man hatte damals die gesamte Mannschaft aus London eingeflogen. (Siehe: 2001-11-24: Bonner Afghanistan-Konferenz: Dolmetscherimport aus Britannien.)
[Text: Richard Schneider. Quelle: Süddeutsche Zeitung, 2002-03-16. Bild: n-tv.]
Hamid Karsai (links) am 14.03.2002 bei seinem Besuch in Berlin