2002-03-21
Neuer Premiere-Chef macht Anglizismen den Garaus
Georg Kofler (45) ist seit kurzem Chef des defizitären Bezahlfernsehsenders „Premiere World“. Schon an seinem ersten Arbeitstag hatte er die Mitarbeiter zusammengerufen und ihnen erklärt, was ihm bei dem deutschen Pay-TV-Kanal am meisten auf die Nerven geht: Die albernen Anglizismen, mit denen die einzelnen Sparten des Senders bezeichnet werden (Muhwi, Sannßett, Bäjßick, Seleckt, Kommedi, Sai-Fieh, Äkschn, Äx-Äkschn usw.). Sein Lösungsvorschlag: alle abschaffen. Sogar das „Wöalt“ im Firmennamen wollte er streichen.
    Jetzt hat er sein Versprechen eingelöst. „Premiere World“ heißt wieder „Premiere“. Und die Sparten werden im Mai wie folgt umbenannt: Premiere Movie wird zu Premiere Film (das sich in Premiere 1 bis 7 unterteilt). Premiere Basic wird in Premiere Plus umbenannt. Teile aus Premiere Sunset, Premiere Comedy und Premiere Sci-Fi werden in Premiere Serie vereint. Premiere Select wird zu Premiere Direkt. Premiere Comedy, Premiere Action und Premiere X-Action werden eingestellt. Premiere Star geht in Premiere 6 auf. Neu eingerichtet wird der Kanal Premiere Nostalgie.
    „Film“, „Plus“, „Serie“, „Direkt“, „Nostalgie“ – Lehnwörter, die für Deutsche auf Anhieb verständlich und problemlos auszusprechen sind. Vielleicht wird dies dazu beitragen, die Akzeptanz des Senders unter den Fernsehzuschauern zu erhöhen.
    Kofler zu seiner Motivation: „Ich hasse Anglizismen. Das ist alles Bullshit.“
    Die Namenskosmetik ist äußerer Ausdruck radikaler Strukturreformen, in deren Folge rund ein Drittel der rund 2.500 Premiere-Mitarbeiter entlassen werden. Hoffen wir, dass auch die arroganten Schnösel darunter sind, die dem Sender vor einiger Zeit die Anglizismenflut verordnet haben.
    Premiere hat zurzeit lediglich 2,4 Millionen Abonnenten. Das sind zu wenige, um rentabel wirtschaften zu können. In den vergangenen drei Jahren hat der Sender einen Verlust von sage und schreibe 2 Milliarden Euro eingefahren.
    Der Südtiroler Georg Kofler ist Sohn eines Holzfällers und einer Näherin. Nach einem Publizistik-Studium und der Promotion über Schopenhauer begann er seine Laufbahn als persönlicher Referent des ORF-Generalintendanten in Wien. 1987 wurde Kofler Assistent und Büroleiter von Leo Kirch. 1988 übernahm er die Geschäftsführung der ProSieben Television GmbH, die er 1997 als erstes deutsches TV-Unternehmen erfolgreich an die Börse führte.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Dolomiten, 2002-02-22; kressreport 12/2002. Bild: Premiere.]

  Georg Kofler