2002-03-27
Kaum fremdsprachige Beratung bei deutschen Banken und Versicherungen
Nur etwa fünf Prozent von untersuchten 184 Banken und Versicherungen informieren ihre Kunden bei Bedarf auch in Fremdsprachen – im Internet, schriftlich, telefonisch oder persönlich. Das hat eine Studie der Unternehmensberatung Mummert + Partner ergeben. 
    Als Grund geben die Unternehmen zu hohe Kosten bei zu geringen Umsatzaussichten an. Diese Begründung ist nach Ansicht der Unternehmensberatung nicht stichhaltig, denn allein die rund 2,4 Mio. in Deutschland lebenden Türken verfügten zusammen über ein Nettojahreseinkommen von 10,5 Mrd. Euro. Und während Deutsche durchschnittlich 10,3 Prozent ihres Nettoeinkommens sparten, legten Türken mehr als das Doppelte auf die hohe Kante. 
    Zwei Beispiele für die wenigen Unternehmen, die das finanzielle Potenzial der größten sprachlichen Minderheit in Deutschland erkannt haben: Die Deutsche Fonds- und Vorsorgeberatung GmbH, eine Tochter der Dresdner Bank, betreibt eine Beratungs-Hotline in türkischer Sprache. Und die Commerzbank hat einen speziell auf Muslime zugeschnittenen Fonds im Angebot, der es diesen ermöglicht, ihr Geld im Einklang mit islamischen Vorschriften anzulegen. 
[Text: Richard Schneider. Quelle: Ostthüringer Zeitung, 2002-03-26. Bild: Öger-Tours.]
Türkische Unternehmer wie Vural Öger haben kaum Chancen, von deutschen Banken in ihrer Muttersprache beraten zu werden. Öger kam in den 60er Jahren als Student nach Deutschland und gründete später Öger-Tours, den heute bedeutendsten Anbieter von Türkei-Reisen auf dem deutschen Markt. 2001 erhielt er das Bundesverdienstkreuz („Inbegriff des erfolgreichen Immigranten“).