2002-04-05
Worldwide Lexicon: Brian McConnell plant größte Online-Übersetzungsdatenbank der Welt
Der amerikanische Softwareentwickler Brian McConnell will im Internet die größte Übersetzungsdatenbank der Welt aufbauen. Dabei sollen die Anwender selbst die Wörter, Wendungen, Definitionen und Übersetzungen in das „Worldwide Lexicon“ eingeben. Möglichst viele Sprachen sollen vertreten sein. 
    Ausschlaggebend für den Erfolg ist allerdings die aktive Teilnahme der Nutzer. „Wir nutzen die Brain-Power der Anwender. Der Computer ist lediglich eine Vermittlungsstation“, so McConnell. 
    Doch auch die Kritiker haben sich schon zu Wort gemeldet: „Das Hauptproblem ist die Sicherung der Qualität“, erklärt Ramesh Krishnamurthy, Sprachwissenschaftler an der Universität Wolverhampton. „Übersetzen ist eine schwierige Aufgabe.“ Paul Rayson von der Universität Lancaster: „Die Schwierigkeit einer guten Übersetzung liegt in der Übersetzung der Wortbedeutung im jeweiligen Kontext. Eine wortgenaue Übersetzung ist dabei nicht immer die richtige Lösung.“ 
    Zu befürchten ist, dass ein gigantisches Sammelsurium aus bloßen Wortgleichungen entsteht – ohne Definitionen und ohne die in Wörterbüchern üblichen Hinweise zu Grammatik, Sachgebiet und Stilebene.
    McConnell hat ganz offensichtlich vom Übersetzen und von Terminologiearbeit nicht die geringste Ahnung – allerdings hat er das auch nie behauptet. Der naive Alles-ist-machbar-Ansatz des jugendlichen Technik-Freaks könnte aber durchaus interessante Anregungen für neuartige, verteilte Terminologiedatenbanken geben – wenn es gelingt, fähige und engagierte Computerlinguisten für dieses Projekt zu begeistern.
    Wer sich für die geplante Übersetzungsdatenbank interessiert, sollte die „O'Reilly Emerging Technology Conference“ besuchen, die vom 13.-16. Mai 2002 im kalifornischen Santa Clara stattfindet. McConnell hält dort einen Vortrag zum Thema „Worldwide Lexicon – Using P2P Technology To Build A Global Translation Dictionary“. 
    Informationen zum "Worldwide Lexicon" werden unter folgender Adresse angeboten: http://picto.weblogger.com/

McConnells Gesellenstück: SETI@home
Brian McConnell hat sich bereits mit einem anderen Projekt einen Namen gemacht: Bei dem 1999 gestarteten SETI@home (SETI: Search for Extraterrestrial Intelligence) werden die PCs der inzwischen 3 Millionen Teilnehmer dazu benutzt, die vom Arecibo Radio Observatory aus dem All empfangenen Signale zu analysieren. 
    Ziel ist, Spuren außerirdischen Lebens ausfindig zu machen. Jeder Teilnehmer lädt sich dazu ein Programm auf den eigenen Rechner, das wie ein Bildschirmschoner in Arbeitspausen automatisch gestartet wird und dann die Signale auswertet.
    Nach McConnells Worten handelt es sich hier um „the greatest quest for new lands since Christopher Columbus sailed west across the Atlantic“. (Mehr Infos unter http://setiathome.ssl.berkeley.edu/) 

[Text: Richard Schneider. Quelle: Wirtschaftswoche 2002-04-03, O'Reilly-Verlag. Bild: SETI League.]

Brian McConnell: Genie oder Spinner?