2002-04-06
Übersetzerin deckt möglichen Fall von Kinderhandel auf
Die Aussage einer polnischen Übersetzerin hat das Jugendamt der Stadt Hannover dazu veranlasst, eine Strafanzeige wegen des Verdachts auf Kinderhandel zu erstatten. 
    Die Übersetzerin hatte erklärt, ein deutsches Ehepaar habe für das Kind einer jungen Polin im vergangenen Jahr 60.000 Mark bezahlt. Die Sprachmittlerin war von den beteiligten Parteien mit der Übersetzung des „Kaufvertrags“ beauftragt worden.
    Der Hintergrund: Wegen ihres hohen Alters von 59 und 66 Jahren dürfen die Eheleute nach deutschem Recht kein Kind mehr adoptieren. 
    In Polen hatten sie eine werdende Mutter kennen gelernt. Bereits vor der Geburt reiste diese auf Einladung des Ehepaares nach Hannover. Die drei bemühten sich bei zwei Jugendämtern und der evangelischen Kirche darum, eine ordnungsgemäße Adoption in die Wege zu leiten. Dies wurde jedoch unter Hinweis auf das Alter der Eheleute stets abgelehnt.
    Schließlich brachte die Polin in einem Hannoveraner Krankenhaus ihr Kind zur Welt. Nach Angaben des Chefarztes handelte es sich nicht um eine anonyme Geburt; die Mutter habe alle erforderlichen Papiere vorgelegt. Sie habe sogar das alte Ehepaar mitgebracht und ihm vorgestellt. Zwei Tage nach der Entbindung habe die Mutter dem Paar dann ihr Kind übergeben und sei nach Polen zurückgereist.
    Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft sowohl gegen die polnische Mutter als auch das deutsche Ehepaar. Hauptbelastungszeugin ist die Übersetzerin des „Kaufvertrags“.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Neue Presse, 2002-04-06. Bild: Archiv.]
Kaum geboren, schon verkauft.