2002-04-19
Modellprojekt in Göttingen: Kommunaler Dolmetscherdienst für Einwanderer
Mit einem eigenen Dolmetscherdienst will die Stadt Göttingen „ausländischen Mitbürgern“, also Einwanderern, den Umgang mit den deutschen Behörden erleichtern. Die sieben dort beschäftigten Sprachmittler decken folgende Sprachen ab: Albanisch, Arabisch, Englisch, Farsi, Kurdisch, Russisch, Serbokroatisch, Singhalesisch, Tamilisch und Türkisch. 
    Nach Angaben von Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck sind elf Prozent der Göttinger Ausländer, hinzu kämen noch die „Spätaussiedler“ (privilegierte russische Einwanderer). 
    Der Dolmetsch- und Übersetzungsdienst kann auch von den Sachbearbeitern der verschiedenen Ämter in Anspruch genommen werden.
    Die Kosten von rund 200.000 Euro im Jahr übernimmt zur Hälfte der Europäische Flüchtlingsfonds, die Stadt selbst trägt 31 Prozent, der Rest kommt vom Arbeitsamt.
    In der zentralen Anlaufstelle im Rathaus haben die Sprachmittler pro Monat rund 700 Einsätze zu bewältigen. Außerdem bieten sie im Stadtteil Grone, in dem besonders viele Einwanderer leben, eine regelmäßige Außensprechstunde an. 
    Der Ansturm sei enorm, vor allem viele ältere Leute seien dankbar für den Service, sagt Russisch-Dolmetscherin Olga Lakhno.
    Das Hauptproblem im Umgang mit den Behörden sei die schwer verständliche Verwaltungssprache, so Dolmetscherin Kalawathy Balakrishnan. Dadurch, dass die Dolmetscher das Behördendeutsch erklärten, ließen sich viele Fehler beim Ausfüllen der Formulare vermeiden. Dies erleichtere auch die Arbeit der Verwaltung. 
    Die beteiligten Dolmetscher und Übersetzer sind voller Lob für das bürgernahe Göttinger Projekt. Und doch steht zu befürchten, dass alles zu Ende ist, sobald die Fördermittel des Europäischen Flüchtlingsfonds auslaufen.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Frankfurter Rundschau , 2002-04-11. Bild: Stadt Göttingen.]

Im Göttinger Rathaus ist der Dolmetscherdienst untergebracht.