2002-05-04
Kein Witz: Thomas Gottschalk erhält „Medienpreis für Sprachkultur“
Thomas Gottschalk (52), Moderator der ZDF-Show „Wetten dass ..?“, hat am 3. Mai 2002 den „Medienpreis für Sprachkultur“ in der Sparte „Radio/Fernsehen“ erhalten. In der Sparte „Presse“ ging die Auszeichnung an den Schriftsteller, Essayisten und Journalisten Klaus Harpprecht (75). Der Festakt fand vor mehreren Hundert Gästen im Wiesbadener Kurhaus statt.
    Der „Medienpreis für Sprachkultur“ wird alle zwei Jahre von der bislang als seriös geltenden Wiesbadener Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) verliehen, die rund 2.500 Mitglieder hat.
    Warum ausgerechnet der in die Jahre und zuletzt auch in die Kritik gekommene „Showmaster“ die Auszeichnung erhält, bleibt allerdings auch nach der Lektüre der Verleihungsurkunde rätselhaft: 
Mit Thomas Gottschalk ehren wir einen Journalisten und Moderator, der im deutschen Fernsehen eine bis dahin neue Art von Entertainment begründet hat: ein Entertainment, das sich durch Spontaneität und verbalisierte Ironie, nicht zuletzt auch Selbstironie, auszeichnet. Durch seinen phantasievollen und kreativen Umgang mit der Sprache hat er der Fernsehunterhaltung auf hohem Niveau neue Maßstäbe gesetzt. Thomas Gottschalk hat eine Technik des Fragens entwickelt, die den Anwesenden in seinen Sendungen eine ausdrucksstarke Selbstdarstellung erlaubt und Überraschungsmomente erzeugt, die Einblicke in die Persönlichkeit des jeweiligen Gegenübers ermöglichen. Sein sprachspielerischer Umgang mit Dialekten und mit der Sprache der Jugend trägt dazu bei, dass die deutsche Sprache in der Vielfalt ihrer Ausdrucksmöglichkeiten sichtbar wird. Er baut damit Brücken, die die Sprachgemeinschaft in ihrer Gesamtheit miteinander verbinden. Nicht zuletzt ist das Bemühen des Preisträgers um eine geschlechtergerechte Verwendung der deutschen Sprache hervorzuheben.
Gottschalk ein „Journalist“? „Phantasievoller und kreativer Umgang mit der Sprache“? Na ja, wenn man Kalauer und angestaubte Witzchen so nennen mag. Die FAZ zitiert genüßlich Fehlleistungen wie „Die Zeiten sind vorbei, wo Popstars Hotelzimmer lahmgelegt haben“. „Technik des Fragens“? Da hätte es sicher würdigere Kandidaten wie etwa Sandra Maischberger gegeben. „Bemühen um eine geschlechtergerechte Verwendung der deutschen Sprache“? Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Fantasie die GfdS entwickelt, um ihren Verlegenheitskandidaten zu rechtfertigen.
    Nichts gegen den in Malibu lebenden Sonnyboy, der bei Jung und Alt gleichermaßen beliebt ist. Gottschalk ist zweifellos schlagfertig und witzig und ein Lichtblick in der deutschen Fernsehunterhaltung. 
    Aber dass dieser oberflächliche Dampfplauderer die Sprachkultur fördert, ist bis jetzt noch niemandem aufgefallen. Die Ehrung Gottschalks erscheint erst recht mysteriös, wenn man die hochkarätige Riege der bisherigen Preisträger Revue passieren lässt:
  • 1990 Dieter E. Zimmer („Die Zeit“)
  • 1992 Hanns Joachim Friedrichs (ARD, „Tagesthemen“)
  • 1994 Wolf Schneider (Hamburger Journalistenschule)
  • 1996 Elke Heidenreich (Autorin und Publizistin)
  • 1998 Harald Schmidt (Moderator)
  • 2000 Klaus Bresser (ZDF)
Und was hat er nun gewonnen, der Thommy? Der Preis besteht aus einer großen Ausgabe des Wörterbuchs der Brüder Grimm in 32 Bänden. Wetten, dass ihm 32 Kilogramm Gummibärchen lieber gewesen wären? 


Im Hintergrund die Preisträger Gottschalk (rechts) und Harpprecht. Im Vordergrund der Preis: das Grimmsche Wörterbuch in 32 Bänden

[Text: Richard Schneider. Quelle: dpa, GfdS, FAZ 2002-05-04. Bild: Braunschweiger Zeitung.]


Thomas Gottschalk