2002-05-19
BDÜ-Mitgliederversammlung 2002: 
Daum im Amt bestätigt. Reformstau setzt sich fort
Die Neuwahl des Bundesvorstandes stand auf der Tagesordnung der Mitgliederversammlung des BDÜ am 6. und 7. April 2002 in Augsburg. (Die BDÜ-Mitgliederversammlung ist eine Art „Bundesrat“, auf der sich Vertreter der 12 Landesverbandsvorstände mit dem Bundesvorstand treffen.)
    Im Amt bestätigt wurden Präsident Prof. h.c. Dr. Ulrich Daum (LV Bayern) und Vizepräsident Norbert Zänker (LV Berlin-Brandenburg). Neu hinzugekommen sind Vizepräsidentin Mary Höcker (LV Berlin-Brandenburg) und Schatzmeisterin Ingrid Nøkleby-Braun (LV Saar). Alle wurden einstimmig gewählt.
    Für die Position eines weiteren Vizepräsidenten konnte kein Kandidat gefunden werden. Der Vorstand ist dennoch ordnungsgemäß konstituiert, denn die Satzung sieht neben dem Präsidenten lediglich „mindestens zwei Vizepräsidenten sowie den Schatzmeister“ vor.
    Daum und Zänker wurden für ein Jahr, Höcker und Nøkleby-Braun für zwei Jahre gewählt. Damit steigt der Bundesvorstand in das System zeitlich versetzter Vorstandswahlen ein, bei denen jedes Jahr rund die Hälfte des Gremiums neu gewählt wird. Dieses Prinzip hat sich bei einigen BDÜ-Landesverbänden und dem ADÜ Nord offenbar bewährt. 
    Die bisherigen Vorstandsmitglieder Klaus Knoppe (LV Bayern) und Bundesschatzmeisterin Barbara Böer Alves (LV Baden-Württemberg) stellten sich nicht mehr zur Wahl. Prof. Dr. Christiane Driesen war bereits vor einigen Monaten von ihrem Amt zurückgetreten.
    Folgende Sachentscheidungen wurden getroffen:
  • Geschäftsführendes Vorstandsmitglied mit Teilzeit-Gehalt. Die Einstellung eines Vollzeit-Bundesgeschäftsführers wird künftig unter anderem aus finanziellen Gründen nicht mehr verfolgt. Stattdessen soll es irgendwann ein „geschäftsführendes Vorstandsmitglied“ geben, dessen Tätigkeit mit einem Teilzeitvertrag entlohnt wird.
  • Mitgliedschaft von Übersetzungsbüros abgelehnt. Der Antrag des LV Baden-Württemberg, den Landesverbänden die Aufnahme von Übersetzungsbüros und anderen Unternehmen zu ermöglichen, wurde abgelehnt. Lediglich drei der zwölf Landesverbände stimmten dafür. 
  • KD-Antrag vertagt. Der Antrag der Berufsgruppe der Konferenzdolmetscher auf Selbstständigkeit (Status wie ein Landesverband) konnte aus formalen Gründen nicht entschieden werden.
  • Matrikularbeiträge erhöht. Die Landesverbände müssen pro Mitglied und Monat einen bestimmten Betrag an den Bundesverband abführen. Die Versammlung beschloss, diesen „Matrikularbeitrag“ ab 2003 von 5,11 auf 5,50 Euro zu erhöhen. Dem Bundesverband werden aus diesem Topf dann Einnahmen von rund 330.000 Euro pro Jahr zur Verfügung stehen.
Unser Kommentar: „Vorsichtige Neuorientierung“ – so hat die Vorsitzende des LV Bremen und Niedersachsen, Anja Casties-Bergfeld, ihren Bericht über die Versammlung überschrieben, der in den „TransRelations“ veröffentlicht wurde. Schön, dass sie sich ihre Zuversicht nicht nehmen lässt. Aber man hätte genauso gut titeln können: „Alles wie gehabt: Stillstand und Reformunfähigkeit beim BDÜ.“
    Generationen von Verbandsaktivisten haben sich bereits bei dem Versuch, die unzeitgemäße, ineffiziente und undemokratische Struktur des BDÜ zu reformieren, die Zähne ausgebissen und entnervt das Handtuch geworfen. Präsidenten und Landesfürsten kommen und gehen, aber der BDÜ bleibt im Wesentlichen unverändert. 
    Die bisher erzielten Teilerfolge sind in erster Linie auf das Vorpreschen einzelner Landesverbände (Baden-Württemberg und Bayern bei der Internet-Mitgliederdatenbank) und einzelner Verbandsmitglieder (Uwe Reinke, Giorgio Mauro und Karl-Heinz Freigang in Sachen MDÜ) zurückzuführen.
    Auch die Informationspolitik des BDÜ ist auf Bundesebene nach wie vor schlecht. Sechs Wochen nach der Wahl ist die Nachricht von der Neubesetzung des Vorstandes noch nicht bis zur BDÜ-Website durchgedrungen. Nur der LV Bayern und der LV Bremen und Niedersachsen weisen in ihrem Online-Angebot auf die Ergebnisse hin. Dabei wäre dies eine prima Gelegenheit gewesen, unter www.bdue.de die Rubrik „Nachrichten, Aktuelles“ mit frischem Inhalt zu füllen. Diese wurde seit 150 Tagen nicht mehr aktualisiert.
    Dass es grundsätzlich auch anders geht, beweist seit Jahren der LV Bremen und Niedersachsen. Er sorgt für Transparenz, indem er die Protokolle der Mitgliederversammlungen und Vorstandssitzungen sowie die Haushaltspläne und Jahresabschlüsse im Internet veröffentlicht. Darüber hinaus kann die Mitgliederzeitschrift „TransRelations“ von jedermann als PDF-Datei aus dem Internet heruntergeladen werden.


BDÜ-Präsident Daum (Mitte) und Vizepräsident Zänker (rechts) – hier auf den ADÜ-Nord-Tagen im März 2002 

[Text: Richard Schneider. Quelle: TransRelations 1/2002, www.bdue.de/bayern.html. Bild: BDÜ, ADÜ Nord.]