2002-06-10
„Eine fast übermenschliche Aufgabe“ – Chefanklägerin Carla del Ponte lobt Übersetzer
Die Chefanklägerin am internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, Carla Del Ponte (54), ist am 08.06.2002 in Münster für ihren Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit mit dem Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet worden. 
    Das ihr ausgesprochene Lob gab sie in der Dankesrede an ihre Mitarbeiter weiter. Dabei erwähnte Del Ponte besonders die Übersetzer, die an den Stätten von Kriegsverbrechen im Balkan sowie im Gerichtssaal die Aussagen der Opfer zu übersetzen haben. Wegen der emotionalen Nähe sei dies eine „fast übermenschliche Aufgabe“.
    Die Schweizerin Carla del Ponte hatte sich zunächst als Anwältin, dann als „Mafiajägerin“ einen Namen gemacht. Vor Jahren entging sie nur knapp einem Attentat. Die frühere Schweizer Bundesanwältin bezeichnet den aktuellen Haager Prozess gegen Slobodan Milosevic als „Krönung unserer Arbeit“.
    Der mit 25.000 Euro dotierte Friedenspreis wurde 1998 zum 350. Jahrestag des Westfälischen Friedens, der 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendet hatte, gestiftet. Er wird alle zwei Jahre einer Persönlichkeit und einer Jugendorganisation verliehen, die sich um den Frieden und die Einheit in Europa verdient gemacht haben. Bisherige Preisträger waren der tschechische Präsident Vaclav Havel und der deutsche Altkanzler Helmut Kohl.
[Text: Richard Schneider. Quelle: www.sonntagszeitung.ch, 2002-06-09; Neue Zürcher Zeitung, 2002-06-10; WAZ 2002-06-09.]

Carla del Ponte