2002-07-04
Forscher sprechen schlechtes Englisch
Viele deutsche Wissenschaftler schreiben und sprechen ein viel schlechteres Englisch als sie selbst glauben. Weil sie ihr Können aber überschätzen, veröffentlichen sie ihre Arbeiten trotzdem auf Englisch statt auf Deutsch – mit möglicherweise negativen Folgen für Kreativität 
und Ideenvielfalt, fürchtet Gerhard Stickel, Direktor des Mannheimer Instituts für Deutsche Sprache (IDS). „Inspiration kommt über die Muttersprache“, sagt Stickel, „und Fremdsprachigkeit schafft Barrieren, wo Brücken zwischen Gesellschaft und Wissenschaft geschlagen werden müssten.“ Das gelte zum Beispiel bei Kongressen, die auf Englisch abgehalten würden, obwohl sie in Deutschland stattfinden und sich an ein deutsches Publikum richten. Zwar sei Englisch Weltsprache und für den internationalen Austausch unbedingt notwendig, so Stickel. Aber die hierzulande vorherrschende „Kümmerform des Englischen“ habe „nur sehr wenig mit der Sprache Shakespeares und Churchills gemein“.
[Quelle: Süddeutsche Zeitung, 2002-07-02.]

Gerhard Stickel