2002-07-22
Der Übersetzerberuf in Frauenzeitschriften – Glamour: „Lokalisierer, ein Job mit Zukunft.“ Brigitte: „15 bis 20 Euro pro Seite“
Glamour, die Frauenzeitschrift im Handtaschen-freundlichen Kleinformat (gegründet 2001, Zielgruppe Frauen 20-39 Jahre, Auflage monatlich 400.000, Condé Nast Verlag) macht Werbung für unsere Branche. Sie empfiehlt ihren Leserinnen den Beruf des Lokalisierers. In der Serie „Jobs mit Zukunft“ heißt es:
    „Wenn Du Texte lokalisierst, gehst Du viele Schritte weiter als ein Übersetzer. Deine Aufgabe ist es nicht nur, Worte zu übersetzen. Denn selbst, wenn man beispielsweise eine Software oder eine Website in die jeweilige Sprache übersetzt hast, muss das noch längst nicht für alle Kulturkreise verständlich sein. Lokalisierer sind daher Mittler zwischen den kulturellen Welten. Sie wissen, dass auch Symbole und Bilder, Farben und Formen unterschiedlich wahrgenommen werden.“ 
    Und weiter: „Voraussetzung für diesen Job mit Zukunft sind exzellente Sprachkenntnisse. Ideal ist ein Hintergrund als Übersetzer, vielleicht verknüpft mit einer technisch orientierten Weiterbildung. Auch sprachbegabte, weitgereiste Quereinsteiger haben eine Chance.“ 
    Für weiterführende Informationen verweist das Magazin auf die Internet-Adressen des BDÜ und des SDI München.
    Die Übersetzerei ist in Frauenzeitschriften immer wieder Gegenstand der Berichterstattung. Kein Wunder, handelt es sich doch um einen typischen Frauenberuf. Der Frauenanteil unter den Studierenden an der weltweit größten Ausbildungseinrichtung für Übersetzer, der Uni Mainz/Germersheim, beläuft sich auf 81 Prozent. Unter den berufstätigen Sprachmittlern liegt er bei etwa 66 Prozent.
    Meist sind die Berichte jedoch kurz, oberflächlich und fehlerhaft. So findet man immer wieder die Empfehlung, mit exotischen Sprachen habe man bessere Chancen. Cosmopolitan 5/1989: „Der Trend geht zu ,exotischen' Sprachen wie Russisch, Chinesisch, Japanisch oder Arabisch, die eine immer wichtigere Rolle spielen.“ Wie wir alle wissen, ist das Gegenteil der Fall – der Anteil der Allerweltssprache Englisch am Übersetzungsvolumen steigt ständig. Bei den Verdienstmöglichkeiten beschreibt die Frauenpresse meist den unteren Rand der Einkommensspanne.
    In der Rubrik „Job von A-Z“ des Frauenzeitschriften-Dinosauriers Brigitte (gegründet 1957, Zielgruppe Frauen 20-49 Jahre, Auflage vierzehntäglich 863.000, Gruner + Jahr) findet sich folgende Berufsbeschreibung:
    Übersetzerin
    Jobprofil: Übersetzerinnen übersetzen Texte – meist von ihrer Muttersprache in eine andere Sprache oder umgekehrt. Es kommt darauf an, die ursprünglichen Texte sprachlich, inhaltlich und stilistisch korrekt zu übersetzen. Nicht nur der Inhalt, auch die Wirkungsabsichten des Verfassers (oder der Verfasserin) sollten sich unverfälscht widerspiegeln. Meist spezialisieren sich Übersetzerinnen auf bestimmte Fachgebiete wie Wirtschaftstexte, Fachtexte, Rechtstexte oder Belletristik. 
    Voraussetzung: Profunde Sprachkenntnisse und ausgeprägtes Sprachgefühl.
    Ausbildung: Es gibt unterschiedliche Wege: Ein Sprachenstudium (8 bis 12 Semester), am besten mit Auslandsemestern. Oder: Eine Ausbildung an einer Fachakademie oder Fachschule mit einer staatlichen Übersetzerprüfung (oder Übersetzerprüfungen von Industrie- und Handelskammer) zum Abschluss. 
    Verdienst: 15 bis 20 Euro pro Seite, manchmal zusätzlich eine Beteiligung am Umsatz (Literatur, Sachbücher).
    Info: Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer, Kurfürstendamm 170, 10707 Berlin; Blätter zur Berufskunde, Bestellziffer: BzB 3 – X E 01.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Glamour, 2002-07-17; Brigitte. Bild: Glamour, Brigitte.]