2002-07-29
Darmstädter Dolmetscher wegen Bestechung weiter in Haft
Unser Darmstädter Kollege, der Ausländern jahrelang durch die Bestechung eines Sachbearbeiters Aufenthaltsgenehmigungen verschafft hat (siehe 2001-11-16), atmet immer noch gesiebte Luft. Der Stand der Dinge:
    Neun Monate nach Aufdeckung der Korruptionsaffäre im Darmstädter Ausländeramt hat die Staatsanwaltschaft jetzt gegen die beiden Zentralfiguren Anklage erhoben.
    Es handelt sich um einen 56 Jahre alten, vorläufig vom Dienst suspendierten Sachbearbeiter und den 52 Jahre alten Türkisch-Dolmetscher. Die beiden kennen sich seit gut 20 Jahren.
    Seit 1996 brachte der Dolmetscher seinem Bekannten im Ausländeramt Anträge von Landsleuten, die illegal eingereist waren oder kein Bleiberecht hatten. Dabei ging es meist um die Erteilung oder Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis. Gegen Zahlung eines Schmiergelds von 300 bis 14.000 DM erteilte der Sachbearbeiter dann rechtswidrig Aufenthaltsgenehmigungen, ohne die meisten der Betroffenen auch nur gesehen zu haben. 
    Die Staatsanwaltschaft erklärte, der Dolmetscher habe für seine Dienste insgesamt rund 70.000, der Sachbearbeiter fast 50.000 DM erhalten. 
    Das jahrelang florierende Geschäft der beiden Spezis war aufgeflogen, weil ein Mannheimer Dolmetscher Wind von der Sache bekommen und über seinen Anwalt Alarm geschlagen hatte. 
    Der ertappte Sachbearbeiter zeigte sich kooperativ und war voll geständig. Deshalb war er nach wenigen Monaten Haft bereits im Februar wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Er erklärte, er sei im Grunde froh gewesen, als die Sache aufflog. Er habe sich in der Hand des Dolmetschers und ihm ausgeliefert gefühlt, da er durch die bereits angenommenen Bestechungsgelder erpressbar geworden sei.
    Der Dolmetscher sitzt seit Oktober vergangenen Jahres in Haft und hatte etwa ein halbes Jahr zu den Vorwürfen geschwiegen. Inzwischen hat er ein Teilgeständnis abgelegt. Darin belastet er den Sachbearbeiter. Dieser habe ihn zu den illegalen Handlungen gedrängt. 
    Im Verlauf der Ermittlungen war aus dem Kreis der „Antragsteller“ mehr als ein Dutzend Personen verhaftet worden. Den meisten von ihnen wurde bereits der Prozess gemacht.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Darmstädter Echo, 2002-07-25.]