2002-08-08
Karl-Heinz Graf von Rothenburg übersetzt seit 30 Jahren Asterix ins Lateinische
Vor 30 Jahren war Karl-Heinz Graf von Rothenburg (68) Lateinlehrer in München. „Ein Kollege erzählte mir, dass er im Französisch-Unterricht mit Original-Ausgaben von ,Asterix' arbeite. Da dachte ich mir, man könnte den Comic ebenso ins Lateinische übersetzen.“
    Gesagt, getan. Der findige Pauker trat an den Ehapa-Verlag heran, der den Comic im deutschsprachigen Raum herausgibt. Dort war man zunächst wenig begeistert. Von Rothenburg: „Man hielt das für eine Schnapsidee.“
    Schließlich wagten die Verleger das Experiment aber doch – und landeten einen Volltreffer. Der erste von von Rothenburg übersetzte Band „Asterix Gallus“ (Asterix der Gallier) war bei einer Auflage von 20.000 Exemplaren innerhalb von zwei Wochen vergriffen. Allein von diesem Band konnten bis heute eine Viertelmillion Hefte verkauft werden.
    Vergangenen Monat hat von Rothenburg (alias „Rubricastellanus“, wie er sich auf Latein nennt) den 22. Band des Comic-Klassikers in lateinischer Übersetzung vorgelegt. Ausgangsbasis sind stets die französischen Originalbände. 
    Eine anspruchsvolle Aufgabe ist dabei die Benennung von Dingen, die es zu Zeiten der Römer noch gar nicht gab. Aber auch für diese Terminologiearbeit gibt es Quellen.
    „An der Uni Saarbrücken etwa ist ein Lexikon entwickelt worden, das lateinische Bezeichnungen für moderne Begriffe seriös herzuleiten versucht“, erklärt von Rothenburg. Und im Vatikan, wo Latein zwar schwächelt, aber durchaus noch lebendig ist, kam ein Geistlicher vor Jahren auf die Idee, ein Latein-Wörterbuch für die modernen Dinge des Alltags zusammenzustellen. 
    Das Internet neulateinisch zu bezeichnen, ist dabei noch eine der leichtesten Übungen – „interrete“. Unsere Kraftfahrzeuge wären für die alten Römer vermutlich „autoraedae“, also „selbst (fahrende) Kutschen“. Und statt „Spaghetti“ äßen sie „pasta vermiculata“ (wurmförmigen Teig). 
    In den nunmehr drei Jahrzehnten seines Schaffens hat Karl-Heinz Graf von Rothenburg aber nicht nur Comics ins Lateinische übersetzt, sondern auch lateinische Originaltexte in Comics verwandelt, zum Beispiel zusammen mit dem Zeichner Martin Frei die Metamorphosen von Ovid. Und mit Walter Schmid als Zeichner brachte er De Bello Gallico, eine reich illustrierte Geschichte des Gallien-Feldzugs, heraus. Text: Julius Caesar.


Beispiel aus den Metamorphosen

Fernsehtipp: Freitag, 23.08.2002, 23.00 Uhr, arte: Asterix & Co. – Die Comicwelten des Albert Uderzo.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Aachener Zeitung, 2002-07-31. Bild: Jaspers, Ehapa.]


Karl-Heinz Graf von Rothenburg