2002-08-09
EU-Osterweiterung: Kommission will 1.800 neue Stellen für Sprachmittler
Durch die geplante Osterweiterung der Europäischen Union wird sich die Zahl der Amtssprachen von 11 auf mehr als 20 erhöhen.
    Um die sich daraus ergebenden sprachmittlerischen Aufgaben bewältigen zu können, will allein die EU-Kommission von 2003 bis 2008 insgesamt 3.800 neue Mitarbeiter einstellen, davon 1.800 Sprachmittler. Sie beschäftigt heute bereits 1.300 Übersetzer, davon 20 Prozent als freie Mitarbeiter, und 700 Dolmetscher. Im Zuge der Erweiterung würde sich die Zahl der für die Kommission arbeitenden Sprachmittler also auf 3.800 erhöhen.
    Für das Jahr 2003 hat die Kommission die Einrichtung von 500 dieser neuen Stellen beantragt, Rat und Parlament müssen noch darüber entscheiden. Die Finanzminister der EU-Mitgliedsländer hatten die dafür erforderliche Aufstockung des EU-Haushalts jedoch vor zwei Wochen einmütig abgelehnt (siehe 2002-07-23). 
    Haushaltskommissarin Michaele Schreyer (51) hält aber an ihrer Planung fest. In den nächsten vier Jahren will sie die Ausgaben für Sprachmittlerdienste in den drei EU-Institutionen Kommission, Rat und Parlament wie folgt erhöhen:
 
Kosten in Mio. Euro für
2003
2004
2005
2006
Übersetzer
31
127
161
175
Dolmetscher
7,5
40
54
60
(Kommission, Rat und Parlament zusammengenommen.)

Im Umfeld Schreyers heißt es, dass diese auf den ersten Blick erschreckenden Zahlen angesichts des Nutzens sowie gemessen am gesamten EU-Haushalt zu vernachlässigen seien.
    Alle Sprachdienstleistungen in allen EU-Institutionen zusammengenommen (also nicht nur in den drei oben genannten) kosteten im Jahr 2001 rund 800 Mio. Euro. Eine stolze Zahl, aber tatsächlich nur 0,8 Prozent des EU-Gesamthaushalts und umgerechnet 2 Euro im Jahr pro EU-Steuerzahler.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Vereinigte Wirtschaftsdienste, 2002-08-07. Bild: Schreyer, EU.]


Michaele Schreyer


Hellblau: die Beitrittskandidaten