2002-08-10
„Übersetzungsfehler“ empört österreichische Gastronomie
Der Dachverband der europäischen Verbraucherschützer, BEUC (Bureau Européen des Unions de Consommateurs), hatte vergangenen Montag in Brüssel behauptet, dass die österreichischen Wirte die Euro-Umstellung dazu benutzt haben, die Preise um 20 Prozent zu erhöhen. Dabei bezog man sich auf Angaben des österreichischen Vereins für Konsumenteninformation (VKI).
    Dieser hatte für die europaweite Übersicht des BEUC jedoch etwas völlig anderes nach Brüssel gemeldet: In Österreich seien 702 Beschwerden bei der Preiskommission eingangen, und 20 Prozent dieser Beschwerden bezögen sich auf die Gastronomie. Nach der Übersetzung ins Französische war dann fälschlich von 20-prozentigen Preissteigerungen in der Gastronomie zu lesen. 
    Für diese Panne entschuldigte sich der BEUC am Mittwoch. „Der Fehler liegt ganz und gar bei uns, der Text wurde missverständlich übersetzt“, erklärte eine Sprecherin. Bei den vom VKI nach Brüssel übermittelten Daten habe es sich um eine Beschwerdebilanz, nicht um eine Preisentwicklungsstatistik gehandelt.
    Die österreichischen Wirte sind jedoch aufgebracht und erwägen sogar gerichtliche Schritte. Toni Mörwald, Koch und Präsident der Vereinigung „Beste Österreichische Gastlichkeit“ (BÖG) meint: „Das Maß ist endgültig voll. Wieder einmal hat die Gastronomie zu Unrecht Prügel bezogen, der Imageschaden ist genauso groß wie der Unmut an der Basis.“ Und Michael Raffling, Geschäftsführer der Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer, sagt: „Da wird eine ganze Branche aufgrund einer Falschmeldung an den Pranger gestellt.“
    Max Reuter vom VKI, der die Beschwerdebilanz statt der angeforderten Preisentwicklungsstatistik nach Brüssel gemeldet hatte, ist um Schadensbegrenzung bemüht. Aber auch der Übersetzungsfehler ändere nichts daran, dass die Gastronomie der größte Euro-Sünder sei.
    Die tatsächlichen Teuerungswerte: Die Inflation lag im Juni in Österreich mit 1,7 Prozent auf den niedrigsten Wert seit Februar 2000. Nach einer Untersuchung der Arbeiterkammer Vorarlberg stiegen die Preise in der Gastronomie zwischen Juli 2001 und Juli 2002 im Schnitt um 2,6 Prozent.

Unser Kommentar
Übersetzungsfehler? Der VKI war zu doof, die korrekten Zahlen zu liefern. Und beim BEUC hat man nicht erkannt, dass die Ösis Mist gebaut haben. Ein klassischer Fall von Schlamperei also – mit fehlerhaftem Übersetzen hat das nichts zu tun. Zwei Drittel der Schuld könnte man dem VKI, ein Drittel dem BEUC zuweisen. 
    Statt eigene Fehler einzugestehen, einigen sich beide Organisationen aber darauf, 100 Prozent der Schuld dem Übersetzer in die Schuhe zu schieben. Für dieses besonders auf diplomatischem Parkett beliebte Spielchen hat das Übersetzerportal inzwischen so viele Beispiele gesammelt, dass man dafür eine eigene Rubrik einrichten könnte.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Die Presse, 2002-08-10; Tiroler Zeitung, 2002-08-07; Kleine Zeitung, 2002-08-08; konsument.at, 2002-07-08. Bild: Mörwald, BEUC.]


Toni Mörwald