2002-08-30
Chef der Deutschen Post zum „Sprachpanscher des Jahres“ gewählt
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post AG, Dr. Klaus Zumwinkel, ist von den Mitgliedern des Vereins Deutsche Sprache (VDS) zum „Sprachpanscher des Jahres“ gewählt worden. Mit diesem Negativpreis werden Personen oder Unternehmen bedacht, die sich in besonderem Maße bei der Vermischung des Deutschen mit dem Englischen zu Denglisch hervorgetan haben. 
    Dem VDS missfielen Produkt- und Dienstleistungsbezeichnungen wie „One stop shopping, „Global mail“, „Mailingfactory“, „Fulfilment“, „Stampit“, „Postage point“, „Freeway“, „Easytrade“, „Funcard mailing“, „Travel service“ und „Speed booking“. Bei der Post heißen die Paketgrößen „small“, „medium“, „large“ und „extra large“. Und in Berlin errichtet das Unternehmen ein „Love letter building“.
    Diese von Zumwinkel zu verantwortenden Wortkreationen stellen nach Ansicht des VDS eine „verächtliche Behandlung der deutschen Sprache und eine Missachtung der Kunden“ dar. 
    Er befinde sich damit allerdings in guter Gesellschaft mit dem ehemaligen Chef der Deutschen Bahn, Johannes Ludewig, und dem früheren Telekom-Chef Ron Sommer, die 1999 und 1998 ebenfalls zu Sprachpanschern gekürt worden waren. 
    Diese beiden Ex-Monopolisten trieben es allerdings noch bunter als die Post. Unvergessen sind Wortschöpfungen wie „McClean“ (Bahnhofsklo) und „Service Point“ (Auskunft). Die Telekom hat ihre damals heftig kritisierten Bezeichnungen „City Call“ (Ortsgespräch), „Regio Call“ (Nahbereichsgespräch), „German Call“ (Ferngespräch) und „Global Call“ (Auslandsgespräch) inzwischen wieder durch Ausdrücke in der Landessprache ersetzt.
    „Diese Unternehmen scheinen zu glauben, mit dem Muff des Staatsbetriebes auch die deutsche Sprache ablegen zu müssen“, meint der VDS-Vorsitzende Prof. Dr. Wolfgang Krämer. Nicht umsonst seien zwei der drei getadelten Vorstandsvorsitzenden inzwischen wegen mangelnder Geschäftserfolge entlassen worden. „Die Menschen in unserem Land haben Deutsch als Muttersprache und wollen nicht auf Denglisch angepöbelt werden.“
    Die Deutsche Post AG verteidigt hingegen den Sprachgebrauch als angemessen und zeitgemäß für ein internationales Unternehmen. „Deutschtümelnde Traditionalisten verstehen einfach nicht, dass international tätige Unternehmen Produkt- und Dienstleistungsbezeichnungen auch in der Weltsprache Englisch wählen“, so Gert Schukies, Direktor für Konzernkommunikation der Deutschen Post World Net.
    Dr. Gerd Schrammen, zweiter Vorsitzender des VDS, meint hingegen: „Die Post, die sich inzwischen als Weltunternehmen betrachtet, kann betriebsintern natürlich gerne Fachwörter benutzen, aber gegenüber den Kunden sollte sie doch verständlich bleiben.“ Und Walter Krämer ergänzt: „Wir sind keine Fremdwörterhasser. Wir sind ein Verein von Leuten, denen überflüssiges Denglisch mächtig auf den Keks geht.“
    Weitere Kandidaten für den „Sprachpanscher des Jahres“ waren:
  • Der Manager des Fußballvereins Bayern München, Uli Hoeneß, der seine Balltreter bei Auswärtsspielen im „away shirt“ antreten lässt und bei jeder Gelegenheit von „ups and downs“, „win-win situations“ und „Cashflow“ spricht.
  • Missfallen erregte auch der Vorsitzende der Bausparkasse Schwäbisch Hall, Dr. Alexander Erdland. Dieser hat die Zeitschrift der Häuslebauer von „mosaik“ in „house and more“ umbenannt und berichtet seither in Specials und News über die neuesten Trends. So etwa über den „Fogging effect im Neubau“, das „Town & Country-Fertighaus“, „Fun Colors“, das „Fitness Feeling unter der Brause“, „Summer jobbing für den Housebuilder“ und die Kellerwerkstatt als „Man's world“.
  • Die Ministerin für Umwelt und Naturschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Bärbel Höhn, die bei Obst und Gemüse von "Flower Power" spricht, die regionale Vermarktung von Agrarprodukten einen „Home Run“ nennt und die artgerechte Tierhaltung als „Easy Going“ bezeichnet.
  • Die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Elisabeth Pott. Diese hatte ihre Anti-AIDS-Kampagne mit Sprüchen wie "you cannot rewind your life", "go for gold" und „bed & breakfast“ geschmückt. So mancher aus der Zielgruppe dürfte deshalb nicht kapiert haben, was damit gemeint ist. 
Mit dem Titel „Sprachpanscher des Jahres“ zeichnen die rund 13.000 Mitglieder des 1997 gegründeten Vereins Deutsche Sprache Menschen oder Unternehmen aus, „die auf besonders augenfällige Weise die deutsche Sprache und Kultur mit überflüssigen Imponier-Anglizismen misshandelt haben“.
    Alle Mitglieder waren zur brieflichen Abstimmung aufgerufen, 1.850 haben davon Gebrauch gemacht. 1.203 Einsender sahen in den Wortschöpfungen Zumwinkels die schlimmsten Auswüchse.
    Zu den Vereinsmitgliedern gehören laut Schrammen auch zahlreiche englische Muttersprachler, denen die falsche Verwendung des Englischen im Deutschen ein Dorn im Auge ist.
    Den VDS finden Sie im Internet unter www.vds-ev.de.
[Text: Richard Schneider. Quelle: VDS, dpa, FAZ, 2002-08-30. Bild: Post, VDS.]

Klaus Zumwinkel


Walter Krämer


Gerd Schrammen