2002-09-05
IntraWare übernimmt global words
Die IntraWare AG, Petersberg (Nähe Fulda), übernimmt die Mehrheit an der global words AG, Eisenach. IntraWare-Finanzvorstand Markus Ernst (34, Wirtschaftsingenieur) wird nun auch Finanzvorstand von global words.
    Diplom-Kaufmann Jörg Ott (38), global-words-Mitgründer, bleibt als gleichberechtigtes Mitglied im global-words-Vorstand. Seit Juni sitzt Ott bereits im IntraWare-Vorstand. Laut IntraWare-Halbjahresbericht 2002 ist er über seine Firma „vbv Vitamin-B Venture GmbH“ inzwischen im Besitz von 25,44 % der IntraWare-Aktien. Ernst und Ott haben somit jetzt beide Unternehmen fest im Griff.
    Im Juli hatten IntraWare und global words bereits ein Joint Venture gegründet. Einen Monat später beteiligte sich IntraWare über einen Aktientausch an global words. Die Beteiligung entsprach 36,7 % des Grundkapitals von global words, das sich auf 2.725.000 Euro beläuft. Nun übernimmt IntraWare die vollständige Kontrolle über global words.
    Ziel dieser Maßnahmen ist die Integration der maschinellen Übersetzungstechnologien von global words in die CRM-Lösungen von IntraWare, das sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil erhofft. Eine Fusion beider Unternehmen ist nicht geplant. global words soll die bisherige Geschäftstätigkeit unter eigenem Namen unverändert fortführen.
    IntraWare entwickelt und vertreibt Software für das Customer Relationship Management (CRM). Das Unternehmen wurde 1994 gegründet und beschäftigte am 30.06.2002 75 Mitarbeiter, ein Jahr zuvor waren es noch 197. Gewinne hat das Unternehmen seit dem Börsengang im Mai 2000 nicht gemacht, aber die Gewinnschwelle soll im dritten Quartal 2002 erreicht werden. 2001 beliefen sich die Umsatzerlöse auf 12,8 Mio. Euro, das Betriebsergebnis auf minus 9 Mio. Euro.
    Die global words AG hatte im Jahr 2000 als Call Center für telefonische Dolmetschleistungen begonnen. Anfang 2001 übernahm man den ins Straucheln geratenen MÜ-Pionier Logos. Im September 2001 geriet global words selbst in Schwierigkeiten, als ein Großinvestor, der seine Büros im World Trade Center hatte, ausfiel und auch andere Geldgeber absprangen. 
    Die global-words-Aktien werden nicht an der Börse gehandelt, sondern befinden sich im Besitz von Beteiligungsgesellschaften und Privatinvestoren. Der Börsengang ist für 2003 geplant. Ebenso wie IntraWare hat auch global words offenbar seit seinem Bestehen noch keinen Cent Gewinn erwirtschaft. Der Geschäftsbericht für das Jahr 2000 weist einen Verlust von 237 Mio. Euro aus.
    IntraWare ist am Neuen Markt notiert. Die Börse honorierte die jetzt bekannt gegebene Übernahme von global words allerdings nicht. Am Tag der Bekanntgabe sackte der Kurs um rund 7 % ab, zwei Tage später noch einmal um 12 %. 
    Der Kurs der IntraWare-Aktie dümpelte am 06.09.2002 bei schlappen 0,48 Euro vor sich hin. Der Höchststand des Kurses betrug in den letzten 52 Wochen 1,55 Euro, der Tiefststand 0,46 Euro. Zum Vergleich hier der Ausgabekurs beim Börsengang im Mai 2000: 28 Euro.

Exkurs: die Vorgeschichte von global words
1992 wird in Dresden die Senator Vermögensverwaltung AG gegründet. Gegenstand des Unternehmens ist „die Verwaltung eigenen und fremden Vermögens, sowie die Verwaltung von Beteiligungen im In- und Ausland“. 1998 wird der Sitz nach Heidelberg verlegt. Geschäftsführer ist Jörg Ott. Ende 2000 kauft die Senator Vermögensverwaltung AG die kurz zuvor gegründete Eisenacher global words GmbH auf, ändert den Namen der gesamten AG in global words AG und verlegt ihren Sitz von Heidelberg nach Eisenach. 
    Gegenstand des Unternehmens ist fortan „die Erbringung von Dolmetscher- und Übersetzungsdienstleistungen insbesondere in elektronischen Netzen wie Intra- und Internet. Gegenstand ist weiter die Planung, Gestaltung und Durchführung von Telefonmarketing. Darüber hinaus ist es der Gesellschaft gestattet, Hard- und Software für Telemarketing, Dolmetscher- und Übersetzungsdienstleistungen zu entwickeln und zu vertreiben."

Unser Kommentar: Je intensiver man sich mit den beiden Unternehmen beschäftigt, desto verwirrender wird die ganze Geschichte. Beide erwirtschaften seit Jahren keine Gewinne, sondern fungieren als gigantische Geldverbrennungsmaschinen. Wie lange soll das noch gut gehen? Sind IntraWare und global words gar zwei Ertrinkende, die sich verzweifelt aneinander klammern? Aber vielleicht versteht man als kleiner – Gewinn erwirtschaftender – Übersetzer einfach nur nichts vom großen Geschäft.

Siehe auch 2002-06-02: global words auf dem Wege der Besserung.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Vereinigte Wirtschaftsdienste, 2002-09-04; IntraWare, global words. Bild: IntraWare, global words.]


Markus Ernst schnappt sich die Übersetzungstools von global words


Jörg Ott