2002-09-27
LangTech 2002: Automobil und Mobilfunk treiben Entwicklung voran. Handy ersetzt PC
Am 26. und 27.09.2002 fand in Berlin die LangTech 2002 statt. Im Mittelpunkt der ersten europäischen Kongressmesse dieser Art standen die Entwicklung und Vermarktung von Sprachtechnologien, Übersetzungsprogrammen und Systemen für die automatische Telefonauskunft.
    Geleitet wurde die Tagung von Prof. Dr. Hans Uszkoreit, Professor für Computerlinguistik an der Uni Saarbrücken und wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI).
    Von den 300 Teilnehmern kamen zwei Drittel aus der Wirtschaft. 70 Firmen aus 20 Ländern präsentierten am Rande der Konferenz ihre neuesten Entwicklungen. Darunter DaimlerChrysler, Deutsche Telekom, Duden, PricewaterhouseCoopers, SAP, ScanSoft, Systran und Trados.
    Nach Dr.h.c. Uwe Thomas (64), Staatssekretär im Forschungsministerium, ist die deutsche Forschung auf diesem Gebiet weltweit mit führend. Dies sei eine Folge der „konsequenten staatlichen Förderung“. Insgesamt 83 Mio. Euro stünden allein in den Jahren 1999 bis 2003 zur Verfügung. 
    Nach seinen Angaben sind allein aus dem größten deutschen Forschungsprojekt zur Sprachtechnologie („Verbmobil“ am Saarbrücker DFKI) seit 1999 insgesamt 53 Patente, 20 verwertbare Produkte und neun Firmengründungen hervorgegangen. Der Bund investierte in Verbmobil bislang 80 Mio. und die Industrie 68 Mio. Euro. 
    Vor allem die Automobil- und die Mobilfunkbranche treiben die Entwicklung der Sprachtechnologie voran. Internationale Konzerne wie Sony, Philips und Ericsson haben ihre entsprechenden Forschungsabteilungen in Deutschland angesiedelt. 
    Nach Ansicht von Wolfgang Wahlster (49), Geschäftsführer des DFKI, werden vor allem Handy-Nutzer künftig profitieren: „Das Handy übernimmt zunehmend Funktionen des Computers. Die Bedienung erfolgt nicht über die Tastatur, sondern über Sprache.“
    Bill Dolan, Leiter der Forschungsabteilung für natürliche Sprachverarbeitung bei Micosoft, sieht das ähnlich: „Der Konsument will es möglichst einfach haben. Deshalb ist Technik, die den Menschen wirklich versteht, einfach überfällig.“
    Insgesamt gesehen war die LangTech 2002 eine gelungene Premiere, bei der die führenden Köpfe der Sprachtechnologie die Gelegenheit zum Informationsaustausch rege nutzten.
    Dennoch eine Randbemerkung: Deutschland gehört wie gesagt auf diesem Gebiet zu den führenden Nationen. Und die Tagung fand in der deutschen Hauptstadt statt. Dennoch hat sich die deutsche Sprache aus diesem Wissenschaftszweig längst verabschiedet. Alle Vorträge wurden auf Englisch gehalten, alle schriftlichen Unterlagen liegen ebenfalls nur in englischer Sprache vor. Mehr Infos zur Tagung finden Sie – auf Englisch – unter www.lang-tech.org


Ein Blick in den Konferenzsaal der LangTech 2002 im Dorint-Hotel Schweizerhof

[Text: Richard Schneider. Quelle: Wirtschaftswoche, 2002-09-27; Berliner Morgenpost, 2002-09-27; www.lang-tech.org. Bild: Uszkoreit, Wahlster, LangTech 2002.]


Hans Uszkoreit


Wolfgang Wahlster


Uwe Thomas