2002-10-03
Neues Lehrbuch: Deutsch für Balltreter
„Was ist das für eine Mannschaftsbesprechung, wenn man für eine international besetzte Mannschaft sechs Übersetzer braucht?“, fragt Tanja Auffermann. „Da geht doch alles Motivierende verloren.“ Deshalb schreibt die Doktorandin der Uni Dortmund gemeinsam mit dem ebenfalls promovierenden Uwe Wiemann (33) und mit Unterstützung von Bayer Leverkusen an einem neuartigen Lehrbuch. Der Arbeitstitel lautet: Deutsch für ausländische Fußballprofis.
    Deutschunterricht gibt es bei fast allen Vereinen. Oft ist die Pflicht zum Lernen in den Verträgen festgeschrieben. Die Praxis sieht jedoch anders aus. Die Millionäre zeigen meist wenig Lust, Vokabeln zu pauken. Und es fehlt das passende Lehrbuch. 
    „Als ich sah, dass Evanilson nach einem Jahr immer noch mit Dolmetscher zum BVB-Training kam, war die Idee geboren“, erinnert sich Wiemann. „In 17 Kapiteln lernt der Spieler alles, was er wissen muss. Der Kurs beginnt beim 1. Training, endet mit dem Text der Autogrammkarte. Im Vordergrund steht die Praxis, nicht überflüssige Grammatik.“
    Sportpädagoge Frank Ditgens (35), der bei Bayer Leverkusen die Legionäre betreut, überprüft jedes Kapitel in der Praxis. Er ist begeistert: „Seit drei Jahren nehme ich unsere Brasilianer am Flughafen in Empfang und betreue sie, bis sie uns in Richtung Italien verlassen. Viele weigern sich zu lernen, aber mit Wiemanns Methode hat sogar Lucio wieder angefangen, Deutsch zu büffeln.“
    Das Buch vermittelt Deutschkentnisse über Alltagssituationen wie die Mannschaftsbegrüßung, Trainerkommandos und die Gespräche mit dem Physiotherapeuten. Deutschland wird über die Bundesliga-Städte vorgestellt. Weitere Themen sind die Kontoeröffnung und der Kauf einer Nobelkarosse. 
    Die kleinen deutschen Zahlen werden anhand der Rückennummern, die größeren nach Zuschauerzahlen erklärt. „Für die ganz großen böten sich die Gehälter an“, wie die WAZ bemerkt.
    In rund einem Jahr soll das Buch fertig sein. 


Eine Beispielseite aus dem neuen Lehrbuch

[Text: Richard Schneider. Quelle: WAZ 2002-10-03, Berliner Zeitung 2002-10-08. Bild: BVB.]


Marcio Amoroso spielt bei Borussia Dortmund.
Der Brasilianer weigert sich beharrlich, „für die paar Jahre in Deutschland“ die Landessprache zu lernen.