2002-10-10
Dolmetscher auf dem Dokumentarfilm-Festival: „24-Stunden-Knochenjob ohne Attitüde des Künstlerischen“
Das internationale Dokumentarfilm-Festival „dokumentART“ in Neubrandenburg hat „zwei erfahrene Berliner Dolmetscher“ für die sechstägige Veranstaltung engagiert. 
    Ihre Aufgabe beschreibt der Nordkurier so: „Von morgens um zehn bis in die späten Nachtstunden hinein sind die Dolmetscher ,verkabelt' und müssen in den winzigen Sprachkabinen von höchstens einem Quadratmeter [...] ausharren, um die Originalfilme ins Deutsche beziehungsweise Englische zu übersetzen.“ Nach Einschätzung der Zeitung ist das „ein 24-Stunden-Knochenjob ohne Attitüde des Künstlerischen“.
    Die Büroleiterin des Festivals, Anja Bogner, erläutert das Prozedere: „Um sich vorbereiten zu können, bekommen unsere Dolmetscher schon im Vorfeld des Festivals Textlisten oder sogar Videos der betreffenden Filme. Dann ist es eine wahre Freude, das wilde Gestikulieren der Dolmetscher in ihren Kabinen zu beobachten und das verzweifelte unterbewusste Haareraufen, wenn sie dabei sind, die Filmtexte zeitgleich zum laufenden Streifen in eine andere Sprache zu übertragen.“
    Sind die Filme gelaufen, dürfen die Dolmetsch-Sklaven aber noch nicht nach Hause. Denn wenn die Regisseure nach den Vorführungen zu Gesprächen mit dem Publikum zur Verfügung stehen, werden die Sprachmittler auch dafür noch „dringend gebraucht“. 
    Bogner: „Man muss natürlich zwischen den Zuschauern und den Filmemachern sprachlich vermitteln.“ Sie ist stolz darauf, dass es in den vergangenen Jahren nie Verständigungsschwierigkeiten während des Festivals gab.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Nordkurier 2002-10-09. Bild: dokumentART.]