2002-10-16
„Du musst das nicht übersetzen“: Militär erlöst irakischen Dolmetscher
Am 15.10.2002 fanden im Irak Präsidentschaftswahlen statt. Gegenkandidaten zu dem seit zwei Jahrzehnten regierenden Saddam Hussein gab es nicht. Auf dem Stimmzettel konnten die 11 Millionen Wahlberechtigten lediglich Ja oder Nein ankreuzen. Bei der letzten Präsidentschaftswahl vor sieben Jahren hatte Hussein 99,96 Prozent der Stimmen erhalten.
    Wenige Tage vor der Wahl befragte Ellen Knickmeyer für die Nachrichtenagentur AP in Bagdad Passanten. Dabei wurde sie – wie alle ausländischen Journalisten – von amtlich bestellten Aufpassern und einem Dolmetscher begleitet. Sie schreibt: 
„Dieses Mal 100 Prozent!" ruft der Arbeiter Majad Eiwan. „Weil das irakische Volk unseren Führer liebt!“ Dieses Mal werde Saddam Hussein noch mehr Stimmen bekommen, „mehr als 99 Prozent“. Die Frage, warum es denn zuletzt 0,04 Prozent Neinstimmen gegeben habe, führt zu einer furchtbaren Stille. Neugierige Soldaten stehen plötzlich hinter dem dolmetschenden Aufpasser, der nach der Frage geradezu erstarrt ist. „Du musst das nicht übersetzen“, sagt einer der Uniformierten schließlich zu ihm.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Südwest Presse 2002-10-16. Bild: Internet-Fundsache.]

Saddam Hussein