2002-10-28
Schröder: „Wenn man mit Dolmetschern spricht, mag das zu Missverständnissen führen“
„Schuld ist immer der Dolmetscher“ überschreibt die Süddeutsche Zeitung treffend ihren Bericht über den in Brüssel erzielten faulen Kompromiss hinsichtlich der EU-Agrarsubventionen. Bei den Verhandlungen hatte sich Frankreichs Präsident Jacques Chirac (69) gegen den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder (58) durchgesetzt.
    Chirac hatte auf der Sitzung seine Kollegen mit der Bemerkung überrascht, es existiere „ein Missverständnis zwischen Deutschland und Frankreich“. Und er fügte hinzu: „Wenn dem so ist, dann gibt es keine Übereinkunft.“ Banges Schweigen im Saal. 
    Schröder und Chirac waren sich uneins darüber, auf wie viele Milliarden die EU-Agrarausgaben ab 2007 eingefroren werden sollen. Schröder strebte eine Deckelung auf 39,4 Mrd. Euro pro Jahr an, Chirac zielte auf einen Betrag von 45,3 Mrd. Euro. Der französische Vorschlag bewirkt jedoch keine Reduzierung, sondern ermöglicht faktisch eine Erhöhung der Agrarausgaben, wie EU-Haushaltskommissarin Michaele Schreyer (51) kritisierte.
    Der Kanzler zögerte kurz und gab dann nach. Prompt machte er auch die Schuldigen für die teure Verwirrung aus: „Wenn man mit Dolmetschern spricht, mag das zu Missverständnissen führen.“
[Text: Richard Schneider. Quelle: FAZ 2002-10-27, Süddeutsche Zeitung 2002-10-28.]

Gerhard Schröder


Jacques Chirac