2002-11-04
Beiträge fürs Fernsehen übersetzen – Praxisbeispiel: Übersetzungsbüro Strauß für ARTE
ARTE hatte ein Problem. Das Filmmaterial für den geplanten Themenabend über die Demokratisierungsprozesse in Polen und anderen Ländern Osteuropas in den 1980er Jahren lag in einer Vielzahl verschiedener slawischer Sprachen vor.
    Die Lösung: Der in Straßburg beheimatete deutsch-französische Sender beauftragte das auf Ostsprachen spezialisierte Übersetzungsbüro Strauß im westfälischen Oerlinghausen mit der Übersetzung der tschechischen, polnischen und ungarischen Passagen des Dokumentarfilms Kinder der Revolution ins Deutsche.
    Das hört sich einfacher an als es ist. Denn mit einer bloßen Übersetzung war es nicht getan. Die Leiterin des Übersetzungsbüros, Birgit Strauß, erklärt: „Wir mussten umfangreiche Hintergrundinformationen liefern, denn bestimmte Bezeichnungen z.B. für einzelne Berufe werden heute nicht mehr verwendet. Außerdem waren manche Inhalte erläuterungsbedürftig.“ 
    Das Büro beauftragte deshalb Sprachmittler, die in der DDR aufgewachsen sind. Strauß weiß: „Nur sie kennen aus eigenem Erleben die Umstände, unter denen in der DDR gelebt wurde. Sie wissen genau, was in der Zeit des Umbruchs passiert ist, wie es dazu gekommen ist und wie die Menschen in jener Zeit gedacht, gefühlt und gehandelt haben.“
    Insgesamt vier Mitarbeiter wurden in das Projekt eingespannt. Den tschechischen Teil übernahmen Diplom-Sprachmittlerin Birgit Strauß, Oerlinghausen, und Diplom-Sprachmittlerin Martina Laux aus Teichland bei Cottbus. Beide besitzen bereits einschlägige Erfahrungen. Strauß hat schon für mehrere andere Filmgesellschaften als Übersetzerin gearbeitet. Und Laux dolmetschte zuletzt am vergangenen Wochenende auf dem 12. Film-Festival in Cottbus und dem parallel dort stattfindenden Festival des Osteuropäischen Films
    Wie wurde der Auftrag konkret abgewickelt? Das Filmmaterial wurde drei Monate vor dem Sendetermin auf Videokassette zur Verfügung gestellt. Zusätzlich erhielt das Übersetzungsbüro die abgetippte Tonspur in Textform per E-Mail – einschließlich genauer zeitlicher Angaben, damit eine schnittgenaue Zuordnung von Text und Bild möglich war.
    Für die Übersetzung standen sechs Wochen zur Verfügung. Strauß: „Der Zeitraum war sehr reichlich bemessen. Wir haben wesentlich eher geliefert, um genügend Zeit für die Klärung von Rückfragen zu haben, was der Kunde freudig zur Kenntnis genommen hat.“
    Die Abrechnung erfolgte auf Zeilenbasis. Hat sich die Mühe letztendlich ausgezahlt? Birgit Strauß: „Rechnet man die Zeit für Telefonate zur Begriffsklärung und Besprechung einzelner Passagen hinzu, so ergibt sich ein Honorar im mittleren Bereich.“ 
    Birgit Strauß zieht folgendes Fazit: „Die Mitarbeit an diesem Film war für unser Büro ein einschneidendes Erlebnis, da ganz andere Arbeitsabläufe erforderlich waren. Es ergab sich eine sehr gute, intensive Zusammenarbeit mit dem Sender während der Übersetzung und vor allem nach der Fertigstellung. Wir hoffen, dass der Themenabend auch durch ,unseren' Film ein voller Erfolg wird und die Zusammenarbeit mit ARTE in Zukunft fortgesetzt wird.“


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Filmtipp: 05.11.2002, 22.00-23.00 Uhr, ARTE: Kinder der Revolution
Beitrag im Rahmen des Themenabends „Die samtene Revolution“.

Im Übersetzerportal finden Sie noch weitere Informationen zu Birgit Strauß und Martina Laux.

[Text: Richard Schneider, nach einer Pressemitteilung von Birgit Strauß. Quelle: Pressemitteilung Übersetzungsbüro STRAUSS 2002-11-03. Bild: Strauß, ARTE.]


Birgit Strauß