2002-11-08
Uni Frankfurt an der Oder betätigt sich als Sprachschule und Übersetzungsbüro
Die östlichste deutsche Universität, die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder, bietet seit Beginn dieses Wintersemesters über eine GmbH Sprachdienstleistungen an. Die Mehrheit an der „Viadrina Sprachen GmbH“ hält eine Tochtergesellschaft der Universität. Mehrere Sprachlehrer und ein Privatmann sind weitere Gesellschafter.
    Die Idee wurde aus der Not geboren, da das Sprachenzentrum angesichts der knappen Finanzlage nicht mit der Uni mitwachsen konnte und viele Kurs-Wünsche ablehnen musste.
    „Eine Aufstockung der Finanzen allein aus Haushaltsmitteln war nicht möglich“, sagt Dr. Thomas Vogel, Leiter des Sprachenzentrums. Die von ihm mitbegründete GmbH erschließt nun neue Geldquellen, indem sie Sprachkurse und Dolmetscher-Leistungen für Firmen und Privatleute anbietet. Auch die Studenten können gegen eine Gebühr von 40 Euro pro Semester Kurse belegen.
    Uni-Präsidentin Prof. Dr. Gesine Schwan versichert jedoch, dass der Pflichtunterricht weiterhin gebührenfrei bleibt. Auch Polnisch werde kostenlos unterrichtet, das gehöre zum Selbstverständnis der Uni.
    Die Uni Frankfurt/Oder ist praktisch eine deutsch-polnische Universität. Ein Drittel der Studenten kommt aus Polen. Jenseits der Grenzbrücke in Slubice wurde das Lehr- und Forschungsinstitut Collegium Polonicum gegründet. Schwan will in den kommenden Jahren Frankreich mit ins Boot holen und die Hochschule zu einer trinationalen Stiftungs-Universität ausbauen.
    In Frankfurt an der Oder gab es von 1506 bis 1811 bereits eine Universität. Sie wurde aufgelöst, weil 1810 in Berlin die heutige Humboldt-Uni gegründet wurde, auf die der größte Teil des Lehrbetriebs verlagert wurde. Andere Teile der Frankfurter Uni wurden damals der Uni Breslau zugeschlagen. 1991 wurde die Viadrina (lat. „die an der Oder gelegene“) neu gegründet.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Brandenburger Allgemeine 2002-10-19. Bild: Viadrina.]


Gesine Schwan


Thomas Vogel