2002-11-16
„Kranksein in fremder Heimat“ – Nürnberger Podiumsdiskussion zum medizinisch-sozialen Dolmetschen
In Nürnberg hat die Liste Demokratischer Ärzte (ein Club linksradikaler Medizinmänner) eine Podiumsdiskussion zum Dolmetschen im Krankenhaus veranstaltet.
    Ein Teilnehmer berichtete von schwer wiegenden Missverständnissen wie diesem: Eine schwer depressive Patientin hatte gefragt, ob man ihr Leiden „operieren“ könne. „Nein“, antwortete der Arzt. Die Frau, die in Wirklichkeit „behandeln“ meinte, fühlte sich daraufhin jahrelang unheilbar krank.
    Manchmal ist die Ursache derartiger Kommunikationsstörungen aber auch die „kulturelle Brille“ des Mediziners. Augenarzt Mahmut Koca erzählt das Beispiel einer jungen Patientin, deren Sehschärfe sich trotz erfolgreicher Hornhautoperation nicht verbesserte. Bis er herausfand, dass die Frau mit den Buchstaben- und Zahlenreihen auf der Wandtafel nichts anfangen konnte, weil sie Analphabetin war.
    Aber auch von praktischen Fortschritten war zu berichten. So hat man am Klinikum in Nürnberg ausländische Patienten und das Pflegepersonal befragt und zweisprachige Glossare mit medizinischen Fachausdrücken, Arbeitsabläufen und Grußformeln erstellt – in zehn Sprachen.
    Mehr dazu in der Nürnberger Zeitung.
[Externer Link. Möglicherweise nicht mehr gültig.]


„Na, wo fehlt's uns denn?“ – Ärztin, Glossar, Dolmetscherin und Patient am Nürnberger Nordklinikum

[Text: Richard Schneider. Quelle: Nürnberger Nachrichten 2002-11-15. Bild: Archiv, Nordklinikum Nürnberg.]