2002-11-28
Dolmetscher russischer Spitzel? Dänische Polizei tauscht Sakajew-Sprachmittler aus
Die dänische Polizei hat den Sprachmittler ausgetauscht, der bisher für den verhafteten tschetschenischen Spitzenpolitiker Achmed Sakajew (43) dolmetschte und übersetzte. Die dänische Tageszeitung Politiken hatte enthüllt, dass dieser privat enge Beziehungen zur russischen Botschaft pflegt. Es besteht der Verdacht, dass russische Stellen über ihn vertrauliche Informationen erhalten haben.
    „Wir nahmen ihn, weil er einen dänischen Namen hat“, rechtfertigte sich der leitende Kriminalinspektor Per Larsen. Was die Polizei nicht wusste: Der Dolmetscher ist mit einer Russin verheiratet, die im „Russiske Center for Videnskab og Kultur“ angestellt ist. Das Zentrum für Wissenschaft und Kultur galt zu Sowjet-Zeiten als Spionagenest. Der Vorgesetzte der Frau ist Erster Sekretär der russischen Botschaft.
    Der Dolmetscher erklärte, dass er seinen Job pflichtgemäß erfüllt habe und Beruf und Privates zu trennen wisse: „Ich rede nicht mit meiner Frau über meine Arbeit.“ Tatsächlich hatten sich weder Sakajew noch die dänischen Behörden über ihn beschwert.
    Sakajew ist stellvertretender tschetschenischer Ministerpräsident. Er war vor einigen Wochen während des Geiseldramas in einem Moskauer Musicaltheater auf Ersuchen Moskaus von der dänischen Polizei festgenommen worden. Als Vertreter des von Moskau nicht anerkannten und im Untergrund lebenden tschetschenischen Präsidenten Aslan Maschadow hatte er an einem in Kopenhagen stattfindenden pro-tschetschenischen Kongress teilgenommen.
    Dänemark muss in den kommenden Tagen entscheiden, ob der von Moskau als Terrorist gesuchte Sakajew an Russland ausgeliefert wird.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Politiken 2002-11-26, 2002-11-27, Frankfurter Rundschau 2002-11-28, Die Welt 2002-10-30. Bild: dpa.]

Achmed Sakajew 
auf der Kopenhagener Tschetschenien-Konferenz