2002-12-02
Peinliche Panzer-Panne: jetzt soll der Übersetzer schuld sein
Am Montag vergangener Woche erhielt der deutsche Militärattaché in Israel per Fax ein Schreiben des israelischen Verteidigungsministeriums. Darin bat man um Überlassung von „Fuchs vehicles“. Der „Fuchs“ ist ein in Deutschland hergestellter Radpanzer. 
    Der Militärattaché übermittelte das Schreiben an die deutsche Heeresführung. Von dort wurde das in englischer Sprache abgefasste Papier an das Verteidigungsministerium weitergeleitet.
    Den Fuchs gibt es allerdings in zwei Versionen: Zum einen als rein defensiven ABC-Spürpanzer zur Erkennung atomarer, biologischer und chemischer Kampfstoffe und zum anderen als Transportpanzer, der auch offensiv eingesetzt werden kann. 
    „Die Mitarbeiter des Ministeriums haben bei dem englischen Begriff ,Fuchs vehicles’ angesichts der aktuellen Diskussion an Spürpanzer gedacht“, so Verteidigungsminister Dr. Peter Struck (59).
    Struck informierte Bundeskanzler Gerhard Schröder (58) über den Wunsch der Israelis. Dieser unterrichtete am Mittwochmorgen die Fraktionschefs aller im Bundestag vertretenen Parteien und mittags dann die Presse. Die Botschaft: der Bitte um Überlassung von Spürpanzern werde man gerne entsprechen.
    Erst nach der Pressekonferenz des Kanzlers schlugen Fachleute im Verteidigungsministerium Alarm und wiesen auf einen „Irrtum bei der Übersetzung“ hin. Israel ist nämlich nicht an der Spürpanzer-Version, sondern dem Transportpanzer Fuchs interessiert.
    Aber die Klarstellung kam zu spät. Alle Zeitungen hatten bereits über die vermeintliche Anforderung von Spürpanzern durch Israel und die Lieferzusage des Kanzlers berichtet. Schröder und Struck standen blamiert da.
    Denn einer Lieferung von Transportpanzern kann die Regierung kaum zustimmen, da diese auch zu Angriffszwecken eingesetzt werden können. Denkbar ist zum Beispiel eine Verwendung bei den inzwischen zur Routine gewordenen staatsterroristischen Aktionen gegen Palästinenser.
    Aus diesem Grund sind die Grünen strikt gegen eine Lieferung dieses Panzertyps, die Sozialdemokraten sind in der Frage gespalten.
    Nach einem ersten freundlichen Ja hörten die Israelis auf jeden Fall plötzlich ein Nein. Über die Lieferung muss nun abschließend der Bundessicherheitsrat entscheiden, der die Bitte wahrscheinlich ablehnen wird. (Der Bundessicherheitsrat besteht aus Bundeskanzler, Außenminister, Verteidigungsminister, Wirtschaftsminister und Entwicklungshilfeministerin.)
    Spekuliert wird immer noch, wer für die peinliche Panne verantwortlich ist. Zu hören war, dass das Fax aus Israel „ungenau und schwer leserlich“ gewesen sei. Daraus habe sich dann der „Übersetzungsfehler“ ergeben.
    Unser Kommentar: Kleiner Tipp aus der Übersetzungspraxis an die „Experten“ im Verteidigungsministerium: Wenn die Bedeutung des Ausgangstextes unklar ist, sollte man beim Auftraggeber nachfragen, was genau gemeint ist. Erst recht dann, wenn an der Spitze des Ministeriums jemand steht, der keinerlei Sachkenntnis besitzt und dadurch die Gefahr von Fehlinterpretationen besteht.


Der Fuchs als Transportpanzer

Der Transportpanzer Fuchs wird seit 1979 von Thyssen-Henschel produziert. Das vielseitige Fahrzeug dient der Beförderung von Soldaten und Material. Es kann sowohl auf der Straße als auch im Gelände mit hoher Geschwindigkeit fahren. Der Fuchs ist ohne Vorbereitungen schwimmfähig und wird dann mit zwei am Heck angebrachten und um 360 Grad schwenkbaren Antriebsschrauben gesteuert.
    Alle Fuchs-Varianten besitzen eine ABC-Anlage, die einen Überdruck im Fahrzeug erzeugt. Durch die herausströmende Luft können weder biologische noch chemische Kampfstoffe nach innen dringen. Außerdem wird Frischluft von außen angesaugt und durch drei Gasfilter geführt, die bis zu 100 Prozent der evtl. in der Luft enthaltenen Schadstoffe entfernen.
    Die trefferanfälligen Reifen besitzen mehrere Kammern und eine Notlaufeinrichtung, die das Fahren auch mit zerschossenen Reifen ermöglicht.
    Der Fuchs wurde bereits erfolgreich im Somalia-Konflikt, dem Golfkrieg und zuletzt auf dem Balkan von Deutschland, den USA, Großbritannien, den Niederlanden und Saudi-Arabien eingesetzt.


Der Fuchs als Spürpanzer mit Sonden am Heck

Der ABC-Spürpanzer Fuchs ist ein Exportschlager, da es in anderen Ländern keine vergleichbaren Systeme gibt. Er wurde bereits an die USA, Großbritannien, die Niederlande, die Türkei, Saudi-Arabien, Israel und Venezuela ausgeliefert.
    Die USA haben im Golfkrieg 60 Füchse aus Bundeswehr-Beständen mit der Bezeichnung „Fox NBCRS M93“ eingesetzt. Später neu gebaute Importe erhielten in den USA die Bezeichnung „Fox NBCRS M93A1“ (NBCRS: Nuclear, Biological and Chemical Reconnaissance System).
[Text: Richard Schneider. Quelle: Badische Zeitung 2002-11-29, Nordwest Zeitung 2002-11-29, Netzeitung 2002-11-27/28/29. Bild: SPD, Bundeswehr.]


Peter Struck