2002-12-10
Uni Kassel vermittelt ausländische Studenten als Sprach- und Kulturmittler
Die Universität Kassel bietet seit einigen Monaten einen ganz besonderen Service an: den Student Service for International Business Contacts (SIB). Dabei handelt es sich um einen Pool ausländischer Studenten, die bereit sind, kulturelle und sprachliche Probleme im Umgang mit internationalen Partnern zu überbrücken.
    Die Uni will ihre Studenten damit auf die Berufswelt vorbereiten und hofft, dass sich Kontakte für ein Praktikum oder einen Arbeitsplatz ergeben.
    An der Kasseler Universität sind Studenten aus 110 Ländern eingeschrieben. Im Rahmen des SIB stehen derzeit etwa 80 Personen auf Anfrage zur Verfügung – mit ihren vielfältigen landeskundlichen, kulturellen und auch fachlichen Kompetenzen.
    Von A wie Afghanistan bis W wie Weißrussland reicht die Liste der Herkunftsländer, so Dr. Bernt Armbruster, Leiter der Abteilung „Information und Internationale Beziehungen“. Die Kompetenzen des SIB-Pools, so Armbruster, umfassen damit ein überaus reichhaltiges interkulturelles Reservoir einschließlich von ca. 40 Sprachen. Darunter nicht nur gängige Weltsprachen wie Englisch, Spanisch, Portugiesisch oder Französisch, sondern auch so wichtige asiatischen Sprachen wie Chinesisch, Japanisch, Hindi oder Koreanisch, und eine Vielzahl afrikanischer und slawischer Sprachen. Auch die fachliche Breite der Teilnehmer am SIB-Pool sei beachtlich. Sie beschränke sich keineswegs auf die einschlägigen Sprachwissenschaften, sondern erstrecke sich auch auf den Technikbereich, die Kunst und die Wirtschaftswissenschaften.
    Die Frankfurter Rundschau nennt ein Praxisbeispiel für die SIB-Nutzung: „Das in Kassel und im thüringischen Sondershausen ansässige Recycling-Unternehmen Repa Kunststoffe korrespondiert mit seinen bulgarischen Partnern normalerweise auf Englisch. Doch als es kürzlich um juristische Formulierungen in einem Vertrag ging, ,passte gar nichts mehr' erinnert sich Geschäftsführer Herbert Panow. Erst durch die Übersetzung ins Bulgarische konnten die Verträge unter Dach und Fach gebracht werden. Geholfen hat dabei die bulgarische Studentin Maria Militchina, die an der Kasseler Uni Germanistik und Hispanistik studiert.“
    Andere Nutzer sind der Hessische Rundfunk, der bei der documenta-Berichterstattung auf den SIB-Pool zurückgriff, und Jugendheime, die im Umgang mit afghanischen Jugendlichen afghanische Studenten der Uni Kassel als Sprach- und Kulturmittler in Anspruch nehmen. Ein Ingenieurbüro in Bad Hersfeld baut seine Wirtschaftskontakte mit chinesischen Partnern ebenfalls mit den freundlichen Helfern des SIB-Pools aus.
    Von Seiten der nordhessischen Wirtschaft ist die Nachfrage insgesamt aber noch gering. Dr. Armbruster: „Vielleicht ist dieser Service einfach noch zu wenig bekannt.“
    Die Kontaktaufnahme mit dem SIB-Pool ist schnell und unbürokratisch per Homepage, E-Mail oder Telefon möglich. Ansprechpartnerin Kristin Gagelmann prüft, ob geeignete Studenten zur Verfügung stehen. Sie benennt sie dem jeweiligen Nachfrager, der dann direkt Kontakt aufnehmen kann und alles weitere unmittelbar mit den Studenten klärt. 
    Dazu gehört auch, dass für eine gute Leistung durchaus eine Gegenleistung erfolgen sollte. Dies zu vereinbaren, ist allerdings Sache der Partner selbst, so Dr. Armbruster.
    Der SIB-Pool im Internet: www.uni-kassel.de/aaa/SIB_Pool
[Text: Pressemitteilung Uni Kassel, zurechtgestutzt und von politisch korrektem Geschwafel befreit von Richard Schneider. Quelle: Pressemitteilung Uni Kassel 2002-07-04, Frankfurter Rundschau 2002-12-10. Bild: Stadt Kassel, Uni Kassel.]


Kristin Gagelmann