2002-12-18
Übersetzerverbände im Praxistest: 11 von 23 antworten auf Anfragen nicht
Die Korruptionsaffäre im Berliner Polizeidolmetschermilieu hat das Übersetzerportal zum Anlass genommen, unsere Interessenvertreter per E-Mail um eine Stellungnahme zu bitten. Eine Woche hatten die für Gerichtsdolmetscher zuständigen Referenten bzw. Vorsitzenden Zeit, auf folgende Fragen antworten:
  1. Handelt es sich Ihrer Ansicht nach um einen Einzelfall?
  2. Sind Ihnen aus der Vergangenheit ähnliche Fälle bekannt?
  3. Ist es üblich, dass Übersetzer und Dolmetscher mit Geschenken für die Auftragsvergabe werben oder sich damit für diese bedanken?
  4. Haben Sie Beschwerden aus der Mitgliedschaft über Unregelmäßigkeiten bei der Auftragsvergabe bei Gerichten, Behörden oder Polizei erhalten?
Von den 23 angeschriebenen Verbänden antworteten 12. Der Rest hielt es nicht für nötig, Stellung zu beziehen. Geantwortet haben:
  • ADÜ Nord, Natascha Dalügge-Momme
  • ATICOM, Dragoslava Gradincevic-Savic
  • BDÜ Berlin-Brandenburg, André Lindemann
  • BDÜ Bremen-Niedersachsen, Peter Bartetzky
  • BDÜ Hessen, Astrid Hildenbrand
  • BDÜ Mecklenburg-Vorpommern, Manfred Betke
  • BDÜ Nordrhein-Westfalen, Dr. Letizia B. Fuchs-Vidotto, Chris McPartlin
  • BDÜ Rheinland-Pfalz, Maria Haas
  • LDÜ (Südtirol), Bruno Ciola
  • Universitas (Österreich), Susanne Watzek
  • VDÜ Brandenburg, Viola Münchow
  • VÜD, Alexander Hoppe, László Szabó
Die ausführlichste Stellungnahme lieferte Dragoslava Gradincevic-Savic von der ATICOM. Die knappste Antwort kam vom BDÜ Bremen-Niedersachsen: Peter Bartetzky schaffte es, die vier Fragen in insgesamt weniger als zwei Zeilen abzuhandeln. Der Vorsitzende des BDÜ Thüringen, Dietrich Hucke, war nicht erreichbar, weil die im Internet veröffentlichte E-Mail-Adresse ungültig ist. Astrid Hildenbrand, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des BDÜ Hessen, erklärte sich für nicht zuständig und verwies an den BDÜ-Bundesverband. Susanne Watzek, Generalsekretärin der Universitas, verwies uns an den österreichischen Verband der Gerichtsdolmetscher.
    Zunächst gar nicht geantwortet haben folgende Verbände (wir werden jedoch telefonisch nachhaken):
  • ASTTI (Schweiz)
  • BDÜ Bayern, Francisco Ludovice-Moreira
  • BDÜ Baden-Württemberg, Edmund Ehlers
  • BDÜ-Bundesverband, Ingrid Nøkleby-Braun
  • BDÜ Saar, Ingrid Nøkleby-Braun
  • BDÜ Sachsen, Viola Mrusek
  • BDÜ Sachsen-Anhalt, János Bölcskei
  • BDÜ Thüringen, Dietrich Hucke (E-Mail-Adresse ungültig)
  • Österreichischer Verband der Gerichtsdolmetscher
  • SDV (Südtiroler Dolmetscherverband)
  • VÜ (Verband der Übersetzungsbüros), Johannes Nobelen
Gleichzeitig hatten wir die Teilnehmer der ältesten deutschsprachigen Mailingliste für Übersetzer gebeten, ihre Erfahrungen mit der Auftragsvergabe bei Gericht und Polizei zu schildern. Von den rund 400 Teilnehmern des U-FORUMs schickten uns drei (alle aus NRW) einen teilweise recht ausführlichen Bericht.
    Über die Ergebnisse der Umfrage werden wir in den nächsten Tagen berichten.
[Text: Richard Schneider. Bild: ADÜ Nord, BDÜ.]