2003-01-23
Berliner Dolmetscheraffäre: Vertrag zur Computerlieferung war von Polizeipräsident, stv. Polizeipräsident und LKA-Leiter abgesegnet. Innensenator wusste davon, unternahm aber nichts
In der Dolmetscheraffäre am Berliner Landeskriminalamt befindet sich nicht mehr nur der frühere Polizeipräsident Hagen Saberschinsky im Visier der Staatsanwaltschaft. Seit Anfang November 2002 wird auch gegen dessen damaligen Stellvertreter Dieter Schenk (SPD-Mitglied) und den damaligen Leiter des Landeskriminalamtes, Hans-Ulrich Voß, ermittelt. 
    Nach Angaben der Staatsanwaltschaft haben die drei als Behördenleiter die beanstandeten Computer-Leihverträge abgeschlossen und sich damit der Vorteilsnahme für die Polizei schuldig gemacht. Damit drohen Berlins ehemaliger Polizeispitze Geldstrafen oder Gefängnis von bis zu drei Jahren. 
    Nach Ansicht von Saberschinskys Rechtsanwalt Johannes Eisenberg sind die Vorwürfe gegen seinen Mandanten „nicht tatbestandsmäßig“, da die Dolmetscher die Computer „für ihre Vertragserfüllung“ benötigten und „offensichtlich ist, dass die Senatsinnenverwaltung Bescheid wusste“.
    Die Grünen wollen von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) bei der nächsten Sitzung des Innenausschusses Aufklärung über die Rolle der Innenverwaltung bei dem Vorgang verlangen. Offenbar hatte der damalige Innensenator Prof. Dr. Dieter Heckelmann (CDU) von der lukrativen Verbindung gewusst, aber nichts dagegen unternommen.
    Siehe hierzu auch unser Dossier.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Tagesspiegel 2003-01-23. Bild: MedienKontor, Heckelmann.]

Hagen Saberschinsky


Dieter Heckelmann