2003-01-24
40 Jahre Elysée-Vertrag: Nur wenige Spitzenpolitiker sprechen die Sprache des Nachbarn
Feierlich haben die deutsche und die französische Regierung des 40. Jahrestags der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags gedacht. Die Erfolgsgeschichte der deutsch-französischen Beziehungen – vom „Erzfeind“ zum engsten Verbündeten – findet jedoch keine Parallele auf sprachlicher Ebene. Seit Jahrzehnten geht die Zahl derer, die die Sprache des Nachbarn beherrschen, stetig zurück.
    Dies zeigt sich beispielhaft auch bei den Fremdsprachenkenntnissen der Spitzenpolitiker. Unter den 26 Mitgliedern der Regierung von Jean-Pierre Raffarin sprechen nur fünf Deutsch: Finanzminister Francis Mer, der aus dem Elsass stammende Außenwirtschaftsminister François Loos, Kulturminister Jean-Jacques Aillagon, Bildungsminister Luc Ferry, der einige Zeit in Deutschland gelebt hat, und Agrarminister Hervé Gaymard
    Weder Chefdiplomat Dominique de Villepin noch Europaministerin Noëlle Lenoir sind dagegen des Deutschen mächtig. Und auch Staatschef Jacques Chirac setzte während der zahlreichen gemeinsamen Feierstunden den Kopfhörer mit der Stimme des Simultandolmetschers nicht ab.
    Zu den Französischkenntnissen der fünfzehnköpfigen deutschen Regierungsmannschaft gibt es keine genaue Statistik. Die französische Industrieministerin Nicole Fontaine schätzt, dass sich etwa die Hälfte der deutschen Regierungsmitglieder auf Französisch einigermaßen verständlich machen kann.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Freie Presse 2003-01-30. Bild: Ass. Nationale, div. frz. Regierungsstellen.]

Francis Mer


François Loos


Jean-Jacques Aillagon


Luc Ferry


Hervé Gaymard