2003-01-31
Irak-Krieg: Dolmetscherausbildung in Ungarn und Kurdistan läuft auf Hochtouren
Auf dem ungarischen Luftwaffenstützpunkt Taszár sind nach Angaben der örtlichen Presse die ersten 50 Exil-Iraker eingetroffen. Andere Quellen gehen davon aus, dass sich bereits mehr als 1.000 Angehörige der irakischen Opposition in dem hermetisch abgeschotteten Camp befinden. Der 2.000-Seelen-Ort Taszár liegt im Süden des Landes zwischen dem Plattensee und Pécs.
    Insgesamt sollen in Taszár rund 3.000 Iraker zu Sprachmittlern und Verbindungsleuten für die US-Streitkräfte ausgebildet werden. 2.000 Ausbilder sowie ein Budget von 8,7 Millionen Euro wurden dafür bereitgestellt. Die Iraker erhalten eine militärische Grundausbildung, sind aber in erster Linie für eine Tätigkeit in der Übergangsverwaltung nach dem Sturz Saddams vorgesehen. Dann sollen sie auch Polizeiaufgaben übernehmen und für eine reibungslose Kommunikation zwischen den Besatzungstruppen und der irakischen Zivilbevölkerung sorgen.
    Derweil ist Ungarn offenbar wegen der Aktivitäten in Taszár zum Ziel des irakischen Geheimdienstes geworden. Jedenfalls wundern sich die Behörden in Szeged über eine Welle irakischer Flüchtlinge, die ausgerechnet in Ungarn um Asyl bitten. Seit November haben sich fast tausend Iraker im wehrfähigen Alter gemeldet, die angeben, vor der Einberufung in die Streitkräfte geflohen und mit Hilfe türkischer Schlepper nach Ungarn gelangt zu sein. Bei Befragungen tischen sie den Behörden meist ziemlich gleichlautende Lebensgeschichten auf. Die ungarische Spionageabwehr vermutet, dass es sich zu einem großen Teil um irakische Agenten handelt, die gezielt in Ungarn eingeschleust werden.
    US-Generalstabschef Richard B. Myers hat erstmals bestätigt, dass sich seit einigen Wochen eine kleine Zahl amerikanischer Soldaten im kurdisch dominierten Norden des Irak aufhält. Bereits seit mehreren Monaten kooperiert die CIA in dieser Region mit den beiden bedeutendsten Gruppen, der Patriotischen Union Kurdistans und der Demokratischen Partei Kurdistans. Nach Angaben der New York Times werben die Amerikaner Dolmetscher und Kundschafter an und bilden diese aus.

Siehe auch 2002-12-09: Dolmetscher für Irak-Krieg werden in Ungarn ausgebildet.

[Text: Richard Schneider. Quelle: taz 2003-01-31, Aargauer Zeitung 2003-01-11, Focus 2002-12-22. Bild: US-Streitkräfte, Internet-Fundsache.]


Richard B. Myers