2003-02-18
Uni Jena hat 600 altarabische Schriftdokumente übersetzt
Den Orientalisten der Universität Jena ist es gelungen, sechshundert Schriftzeugnisse aus dem antiken Südarabien zu entziffern und ins Deutsche zu übersetzen. Die in Holzstäbchen (kräftige Palmblattrippen) geritzten Texte sind zwischen 800 vor und 500 nach Christus entstanden. Vom trockenen Wüstenklima wurden sie hervorragend konserviert.
    „Der Bestand setzt sich hauptsächlich aus geschäftlichen und privaten Briefen, Urkunden, Verträgen und Etiketten von Warensendungen zusammen“, erklärt Projektbetreuer Norbert Nebes, Professor für Semitische Philologie und Islamwissenschaft. 
    Anhand dieser Quellen lässt sich die kulturelle, religiöse und wirtschaftliche Entwicklung im vorislamischen Südarabien über einen Zeitraum von 1.400 Jahren verfolgen. „Vor allem der religiöse Bereich ist dabei sehr interessant“, sagt Nebes. „So war beispielsweise der Jemen im 6. Jahrhundert einmal für fast fünfzig Jahre christlich.“ Die hölzernen Warenetiketten wiederum lassen Rückschlüsse auf die damaligen Handelskontakte zu.
    Peter Stein ist in Jena mit der Erschließung der Quellen betraut. Er hat festgestellt, dass sich die Schrift in den 1.400 Jahren stark verändert hat: „Auf den ältesten Stäbchen ähnelt sie noch sehr der Monumentalschrift, die wir aus den Inschriften der südarabischen Ruinenstädte kennen. Auf den jüngeren wird sie immer mehr zu einer kursiven Kleinschrift, in der man schneller schreiben konnte.“
    Die antiken Kulturen Südarabiens waren Oasenkulturen, die am Ausgang von Trockentälern entstanden. Durch die Täler rauschen heute wie im Altertum zweimal im Jahr, wenn sich der Monsun im jemenitischen Bergland abregnet, enorme Hochwassermassen zu Tal.
    „Die Völker der Gegend haben schon früh gelernt, dieses Wasser nicht einfach an sich vorbeilaufen und in der Wüste versickern zu lassen, sondern es mit Dämmen festzuhalten und auf ihre Felder umzuleiten“, so Nebes. Dadurch konnten sie weitläufige Haine von Dattelpalmen anpflanzen.

Norbert Nebes mit einem der antiken Holzstäbchen

[Text: Richard Schneider. Quelle: Der Standard 2003-02-18. Bild: Jens Rötzsch, Uni Jena.]


Norbert Nebes


Eines der Stäbchen mit den winzigen Schriftzeichen