2003-03-03
Was heißt „Ombudsmann“ auf Lettisch? Übersetzung des EU-Regelwerks für Osterweiterung bereitet ungeahnte Schwierigkeiten
Die Übertragung des EU-Rechts (80.000 Seiten) in die Sprachen der neuen Mitgliedstaaten muss bis Mitte 2004 abgeschlossen sein. Die Übersetzung bereitet jedoch ungeahnte Probleme, da Bezeichnungen für Innovationen aus den letzten Jahrzehnten fehlen. Was heißt zum Beispiel „Franchising“ oder „Ombudsmann“ auf Lettisch? 
    Peteris Udris vom staatlichen Übersetzungszentrum in Riga: „Fünfzig Jahre lang hat unsere Sprache hinter dem Eisernen Vorhang gelebt. Wir brauchten keine Wörter zu übersetzen, für die wir nie Verwendung hatten." Verwaltung und Wissenschaft sprachen Russisch. 
    Auch das Bankwesen und die Fischerei bereiten den Übersetzern Probleme. Denn die Terminologie für den Geldverkehr stammt aus der Vorkriegszeit, und die Ostseefischer waren meist Russen. Den Letten war der Fischfang verboten, da man befürchtete, sie würden die Boote zur Flucht benutzen. So stammt der Fachwortschatz für den Fischfang aus dem Russischen. Aus Gründen des Nationalstolzes will man diesen aber nicht in die EU-Papiere übernehmen.
    Etwas leichter haben es die Esten, da ihre Sprache mit dem Finnischen verwandt ist. Sie können sich an den finnischen EU-Übersetzungen orientieren. Die finnische Vorliebe für Anglizismen teilt man in Estland allerdings nicht. Dort will man die Fremdwörter lieber durch estnische Ausdrücke ersetzen.
    Der Stand der Dinge: Zurzeit liegen noch ungefähr 30.000 unübersetzte Seiten vor den Sprachmittlern, die im Schnitt fünf Seiten pro Tag schaffen.
    Den vollständigen Artikel finden Sie in der Stuttgarter Zeitung. Siehe auch 2002-09-13: EU hat Übersetzungsauftrag über 700.000 Seiten vergeben.
[Externer Link. Möglicherweise nicht mehr gültig.]
[Text: Richard Schneider. Quelle: Stuttgarter Zeitung 2003-03-01. Bild: EU.]

Hellblau: Die Kandidaten für die Ostwerweiterung