2003-03-14
Slobodan Milosevic korrigiert gern Dolmetscher
Seit Februar 2002 wird vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gegen den früheren Präsidenten der Bundesrepublik Jugoslawien Slobodan Milosevic (61) verhandelt. In einem Zeitungsbericht heißt es: 
Nun rückt Milosevic an den Tisch, greift zu seinen Notizen und stellt laut und deutlich Fragen in einem Tonfall, der zumindest selbstbewusst erscheint, eher aber herablassend und arrogant. [...] Rasch folgt Frage auf Frage. Harte Arbeit für die Dolmetscher, die simultan ins Englische und ins Französische übersetzen. Der einzige im Gerichtssaal, der auf die durch Kopfhörer übertragene Übersetzung verzichtet, ist Milosevic. Er beherrscht das Englisch des Tribunals so gut wie das Serbokroatisch der meisten Zeugen und erlaubt es sich, Übersetzungsfehler richtig zu stellen.
Statt „Übersetzungsfehler“ hätte der Korrespondent vielleicht besser „vermeintliche Übersetzungsfehler“ schreiben sollen. Denn ob tatsächlich Übersetzungsfehler gemacht wurden, darf bezweifelt werden. Außerdem kann der Journalist das nicht beurteilen. 
    Lob für die Haager Gerichtsdolmetscher kommt von Seiten der Anklage. Siehe hierzu „Eine fast übermenschliche Aufgabe“ – Chefanklägerin Carla del Ponte lobt Übersetzer (2002-06-10).
[Text: Richard Schneider. Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger 2003-03-14. Bild: ?]

Slobodan Milosevic vor Gericht