2003-04-02 (2003-04-18 aktualisiert)
Übersetzungsproblem „Shock and Awe“. Sony zieht Antrag auf Schutz als Wortmarke zurück
„Mit ihrer Strategie ,Shock and Awe' haben die amerikanischen Militärplaner bei der nicht-englischsprachigen Weltöffentlichkeit genau jene Verwirrung provoziert, die sich bei den irakischen Truppen immer noch nicht recht einstellen will. In den vergangenen zwei Feldzugwochen hat man widersprüchlichste Übersetzungen zu hören bekommen.“ So beginnt der Artikel in der Tageszeitung Die Welt, den Sie hier in voller Länge lesen können.
    Das Shock-and-Awe-Konzept wurde von Harlan K. Ullman vom Center for Strategic & International Studies entwickelt. Das entscheidende Kapitel seines 1996 erschienenen Buchs Shock & Awe. Achieving Rapid Dominance können Sie hier lesen.
    Am 21. März, einen Tag nach dem Einmarsch der Truppen in den Irak, marschierte Sony zum Patentamt und ließ den Ausdruck „shock and awe“ als Markennamen für ein Videospiel registrieren. Konkrete Pläne für ein solches Spiel gab es aber noch nicht. 
    Am 11. April erfuhr die japanische Konzernleitung von der Idee ihrer amerikanischen Niederlassung und pfiff diese zurück. Eine Unternehmenssprecherin sagte in Tokio, der Antrag sei „unangemessen und unbegründet“ gewesen. Auf der Internet-Präsenz des Unternehmens war Folgendes zu lesen: „Es handelt sich um einen bedauerlichen Fall schlechter Beurteilung, weil der Kontext des Begriffes nicht genügend berücksichtigt wurde.“ Am 16. April zog Sony USA daraufhin den Antrag beim Patentamt zurück.
    Die Markenanmeldung von Sony hatte Moralapostel auf den Plan gerufen, die dem Unternehmen öffentlichkeitswirksam unterstellten, an dem Irak-Krieg verdienen zu wollen. Da Sony auf dem wichtigen US-Markt eine schlechte Presse vermeiden wollte, gab das Unternehmen klein bei. 
    Dem US-Patentamt liegen in verschiedenen Bereichen noch 14 weitere Shock-and-Awe-Anmeldungen vor, unter anderem für Feuerwerkskörper, Insektenvertilgungsmittel und Reizwäsche. Sony war auch nicht das erste, sondern das vierte Unternehmen, das auf die Idee kam, den Ausdruck als Marke schützen zu lassen.
[Externe Links. Möglicherweise nicht mehr gültig.]
[Text: Richard Schneider. Quelle: Die Welt 2003-04-02, Handelsblatt 2003-04-16, Netzeitung 2003-04-17, manager magazin 2003-04-17. Bild: CSIS.]

Harlan K. Ullman